Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1259701
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1260307
28 Y. Bin-h. 2. Kapitel. 
Lokalton des Fleisches schwerer, die Schatten dunkler. Das um- 
fassendste Werk dieser Art ist die Huldigung des Grosslierzogs 
Ferdinand II. mit einer grossen Anzahl von Bildnissen, zu Florenz. 
Im Palast Pitti sind gute Portraite von ihm: das der Vittoria dclla. 
Roilera, Gemahlin jenes Grossherzogs, als Vestalin Tuceia, das 
eines Kanonikus, ebenso lebendig aufgefasst, als klar in der Farbe 
und trefflich in der Malerei, und das vom König Christian V. von 
Dänemark als Kronprinz. Höchst widrig ist dagegen eine aus den 
Bildnissen der grossherzogliehen Familie zusammengesetzte heilige 
Familie. Die Wiener Gallerie besitzt das treffliehe Bildniss der 
Erzherzogin Claudia, Tochter Ferdinand 1., Grossherzog von Toskana. 
Frans Snyders, geboren zu Antwerpen im Jahr 1575), ge- 
storben ebenda 1657, war Anfangs Schüler des Höllenbreughel, 
später des Heinrik van Balen, bildete indess seine ganze Auffassung 
der 'l'hierwelt, sowie seine freie Kunstform, sein klares und öfter 
sehr glüheudes Kolorit, seinen breiten, meisterlichen Vortrag, nach 
dem Vorbilde des Rubens aus, zu dem er indess nicht in dem Ver- 
hältniss eines Schülers, sondern eines ilnabhäingigeil und (lurchaus 
selbständigen Meisters stand, so Hass jener ihm verschiedentlich in 
seinen Thierstücken die menschlichen Figuren, er aber sehr häufig 
in den Jagden des Rubens die 'l'hiere, in anderen Bildern die Früchte, 
Blumen und Gemüse in einer Weise malte, dass die Einheit des 
Bildes durchaus nicht gestört wurde. Nächst Rubens ist er unbe- 
dingt der grösste Thiermaler seiner Zeit. Wie jener fasst er sie 
mit inigemeiner Lebendigkeit und Wahrheit in den angenblieklichsten 
und bexivegtesten Momenten des Kampfes und der Jagd auf. Auf 
die sehr sse Vertheilung der einzelnen 'l'hiere in dem 
Raum mag sein Besuch von Italien, wobei er sich auch in Rom 
aufhielt, wohlthätig eingcwirkt haben. Selbst in seinen grossen 
Küchenstüclgen findet sich, neben der erstaunlichehmistefschaft in 
Dlfrgellung des Einzelnen in lform und Farbe, ein ungemeines Ge- 
schick der Anordnung. Er war daher auch mit den beiden besten 
Schülern von Rubens, van Dyck und Jordaens, nahe befreundet, und 
stand letzterem in derselben iWeise inseinei1"Bildei'n bei. wie dem 
Rubens. Fürsten und grosse Herren wetteiferten ihn mit Aufträgen 
zu über-häufen. Besonders war er für den König Philipp IV. von 
 den Erzherzog Leopold XVilhelm thätig. Von der er- 
staunlichen Anzahl seiner Bilder kann ich nur eine massige Zahl 
besonders vorzüglicher in berühmten Gallerien namhaft machen. im
        

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