Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1259701
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1260287
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Bucl 
xtionen thut er es dagegen ihm ziemlich gleich, im Gefühl ist ihm 
aber eine, jenem fremde, Milde und Liebenswürdigkeit eigen, auch 
zeigt er gelegentlich einenASehönheitssinn, welcher ihn mehr als 
Rubens der ideellen Sphäre der Kunst anniihert. In seiner Färbung 
ist er dabei gemäissigter und naturwahrer und öfter dem van Dyek 
sehr nahe verwandt. In der ausserordentlichen Freiheit und Mei- 
sterschaft der Pinselführung endlich möchte er seinem Vorbilde 
kaum nachstehen. Im Besitz solcher Eigenschaften, wurde er nicht 
alleindin seinem Vaterlande mit Aufträgen überhäuft, sein Ruf er- 
streckte sich weit über die Grenzen desselben, wie sich denn zum 
Beispiel von seiner Hand grosse und tretfliche Aitarbilder in der 
Kathedrale von Aix in der Provence, und von Amberg in der 
Oberpfalz vorfinden. Meines Erachtens nimmt dieser Künstler in 
der Werthschäitzung lange nicht den Rang ein, welcher ihm ge- 
bührt. Zum Theil hat er allerdings dieses durch eine grosse An- 
zahl von, seiner späteren Zeit angehörigen, Bildern verursacht, 
welche durch Sehwächliehkeit des Gefühls, Einförmigkeit der Köpfe 
und Formen, wie durch einen fahlen Ton und eine sehr flüchtige 
Behandlung abstossen. Dass er indess, wenn er wollte, auch noch 
bis zuletzt seine Kunst, mit Ausnahme des schwachen 'l'ons, mit 
Erfolg ausübte, beweist sein, mit dem Namen und 1668 Aetatis, 
bezeichnetes, letztes Bild, das  heiligen Blasius in 
dem Museum zu Gent, N0. 60, welches zugleich darthut, dass er 
gelegentlich, gleich Rubens, das Grässliche mit einer sehr wider- 
strebenden Naturwahrheit darstellte. Unter seinen zahlreichen Bil- 
dern hebe ieh eine mässige Zahl der vorzügliehsten, welche sich 
an leicht zugänglichen Orten befinden, hervor. Im Louvre, Maria 
mitydem Kinde von verschiedenen Heiligen verehi-t, N0. 101, ein 
in jedem Betracht höchst ausgezeichnetes Werk des Meisters. 1m 
Museum zu Brüssel, der wunderbare Fisehzug, No. 55, die Him- 
melfalglgtleLllejligen KatFariiiäTNo. 56, der Ritter Donglobert und 
seine Frau in Verehrungxcies-todten Christus, Nowdd-XTUT "Müsellm 
zu Gent, das Urtheil des Salonio, N0. 8, ein IIauptiYverk des 
Meisters, und die heilige Rosalie vom Christuskind gekrönt, N0.1S. 
Was Orayer als Maler von rasch herzustellenden Docorationen ver- 
mochte, dafür legen seine, in demselben Museum aufbewahrten, 
Bilder, welche er zu einem Triumphbogen bei dem Einzug der Kar- 
dinal lnfanten in Gent ausfäniterflein sehr rühmliehes Zeugniss 
ab. Ein Hauptwerk von ihm befindet sich in der Pinakothek zu
        

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