Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1259701
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263004
298 
Buch. 
Kapitel. 
Christian Seibold, geboren zu Mainz 1697, gestorben zu 
Wien 1768, bildete sich durch eignes Naturstudium zu einem recht 
geschickten Bildnissmaler in der Weise des Denner, der auf ihn 
nicht ohne Einliuss gewesen sein möchte. Erßfand in Wien so 
viel Beifall, dass er von der Kaiserin Maria Theresia zum Kabinets- 
maler ernannt wurde. Er war in der Auffassung gesuchter als 
Denner, in der Farbe minder klar und fein, im Vortrag härter, 
dagegen aber ein besserer Zeichner. Eins seiner gelungensten Bilder, 
sein eignes Portrait, befindet sich im Louvre, N0. 185. Es ist 
wärmer in der Färbung und kräftiger modellirt, als gewöhnlich. 
In seiner Hauen, aifectirten und geleckten Manier sieht man ihn 
in den Bildnissen von zwei Mädchen in der Gallerie zu Wien, und 
in den eines Mädchens und eines Jünglinge, N0. 1810 und 1811, 
in der Gallerie zu Dresden. In seinen sehr ausgeführten Köpfen 
von alten Männern und Frauen, wie N0. 1812 und 1813 ebenda, 
ist er durch Lahmheit, Trockenheit und Kälte noch unangenehmer 
als Denner.  
Anton Graff, geboren zu Wintherthur in der Schweiz 1736, 
gestorben zu Dresden 1813, war der Schüler des Ulrich Schellen- 
berg, und bildete sich zu einem der besten Portraitmaler seiner 
Zeit aus, welchenfrüher in Augsburg, vom Jahr 1766 aber in 
Dresden, wohin er einen Ruf vom Hof erhalten hatte, in Leipzig 
und in Berlin arbeitete, und an allen drei Orten eine grosse An- 
zahl von Notabilitäten aller Art malte. Er verband in seinen besten 
Bildern eine wahre und lebendige Auffassung mit einer tüchtigen 
Zeichnung, einer geschmackvollen Anordnung, einer kräftigen und 
klaren Färbung und soliden Durchführung. Einige tüchtige Bild- 
nisse, namentlich zwei des Königs Friedrich August von Sachsen, 
befinden sich von ihm, N0. 1886 und 1890, in der Gallerie zu D resd en. 
Von den Landschaftsmalern betrachte ich zuerst die, welche 
der realistischen Richtung folgten. 
Johann Jacob Hartmann, welcher zu Kuttenberg in Böh- 
men geboren, um 1716 zu Prag blühte, ist als ein sehr später, 
aber sehr geschickter und fleissiger, Nachfolger des Jan Breughel 
anzusehen. Wie jener verschiedentlich, hat auch er in vier Land- 
schaften in der Gallerie zu Wien die vier Elemente dargestellt. 
In der Behandlung der Bäume, in dem kühlen Gesammtton, er- 
kennt man darin als nächstes Vorbild, den Anton Mirou, einen 
niederländischen Nachfolger des J. Breughel.
        

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