Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1259701
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1262932
Epoche von 1700 bis 1810. 
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Reihe von einunddreissig Blättern, meist halbe Figuren, oder Köpfe, 
mit vielem Geschick und in einigen Fällen selbst mit feinem Ge- 
iiihl, radirt. 
Martin Knoller, geboren im Dorfe Steinach in Tirol, ge- 
storben 1804, war der Schüler von Troger in Wien, genoss aber 
auch später in Rom den Unterricht des R. Mengs, und bildete 
sich unter dem Schutz des Grafen Firmian, österreichischem Statt- 
halter der Lombardei, zu einem der besten und, in der 
Fresco- wie in der Oelmalerei, rüstigsten Historienmaler seiner Zeit 
in Deutschland aus. Seinem Talent sagte besonders die Darstel- 
llmg des Augenblicklichen und Gewaltsamen zu, wobei er im 
Geiste der Kunst seiner Zeit natürlich oft in das lirianierirte aus- 
artete. Bei ruhigen Vorstellungen verfällt er dagegen öfter in das 
Schwächlichsüssliche. In der Frescomalerei ist er dabei ein kräf- 
tiger Kolorist, in seinen Oelbildern aber sehr ungleich in dieser 
Beziehung. Er war zugleich ein recht tüchtiger Portraitmaler, wie 
er denn den Kaiser Leopold II. in ganzer Figur in Lebensgrösse 
gemalt hat. Von der sehr grossen Zahl seiner in Italien, wie in 
Deutschland, besonders in Tirol, ausgeführten Malereien führe ich 
nur die von 1769-1790 im Kloster Ettal in Tirol, die vom Jahr 
17 72 im Kloster Gries ebenda, den Plafond in dem Bürgersaale zu 
München, die Heiligen Benedict und Scholastica, von der Maria 
der heiligen Dreieinigkeit empfohlen, N0. 1:28, in der Gallerie 
ebenda, an. Letzteres leidet an jener Süsslichkeit des Gefühls und 
an Schwäche der Farbe, ist übrigens aber ileissig und mit grossem 
Geschick gemalt. Als Beispiel seiner Portraitmalerei gebe ich das, 
1794 datirte, Bildniss des Joseph Rosa, Directors der Wiener Gal- 
lerie, ebendort. Die Auffassung ist lebendig, wenn schon etwas 
gesucht, die Ausführung, in einer kräftigen Farbe, Heissig. 
Johann Victor Platzer, geboren in Tirol 1704, gestorben 
ebenda zu Epau 1767, ein Schüler seines Stiefvater-s Kessler, arbei- 
tete zu Wien von 1730-1755. Er behandelte in einem kleinen 
Maassstabe die verschiedensten Gegenstände der Historienmalerei, 
malte indess gelegentlich auch Genrebilder. Er ist unter den be- 
kannteren Malern dieser Epoche einer der widerwärtigsten, jedoch 
sehr charakteristischen, Erscheinungen. Höchst manierirt in den 
Motiven, wie in den Köpfen, sehr hart in den Umrissen, kalt und 
bunt in der Färbung, ohne Haltung im Ganzen, besteht sein ein- 
ziges Verdienst in einer sehr fleissigen und verschmolzenen Aus-
        

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