Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1259701
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1262823
280 
Buch. 
Kapitel. 
verziert. Wenn wir ihn mit Jan David de Heem, dem grössten 
Frucht- und Blumenmaler der vorigen Epoche, vergleichen, so 
steht er jenem in der stylgemä-ssen Anordnung, wie in der tiefen 
und satten Harmonie der Zusammenstellung der Farben um Vieles 
nach. Ja es giebt Bilder von ihm, welche in der Anordnung zer- 
streut, in der Farbenwirkung bunt sind. Dagegen macht er jenem 
gegenüber seine Eigenthümlihkeit durch die wunderbare Helle seiner 
sonnigen Beleuchtung geltend, worin, mit Festhaltung der Lokal- 
farben der verschiedenen Blumen und Früchte, Alles mit der 
grössten Sorgfalt modellirt ist und sich, anstatt des bisher ge- 
bräuchlichen dunklen Grundes, den er indess auch, besonders in 
seiner früheren Zeit, noch öfter anwendete, von einem hellen 
Grunde abhebt. Wenn man den J. D. de Heem in seiner warmen, 
goldigen Harmonie den Tizian der Blumen- und Fruchtmaler nen- 
nen könnte, so verdient J. van Huysum in seiner lichten, sonnigen 
und heiteren Wirkung füglich den Namen des Correggio dieser 
Gattung. In der meisterlichen Zeichnung und der Wahrheit der 
einzelnen Gegenstände stehen beide Meister auf einer Höhe, nur 
dass de Heem vorzugsweise Früchte, van Huysum vornehmlich 
Blumen gemalt, und die Wahrheit, z. B. im Glanze der Tulpen, 
dem Staub der Aurikehl, den Thautropfen, noch mehr im Einzel- 
nen verfolgt hat. Diesen letzten, auf die grosse Masse der Lieb- 
haber am stärksten wirkenden Eigenschaften verdankt J. van Huysum 
es vornehmlich, dass seine Bilder schon zu seiner Zeit von den 
ersten Fürsten und den reichsten Liebhabern eifrig begehrt und 
hoch bezahlt worden sind, und auch noch heut von allen Malern 
dieser Gattung bei weitem die höchsten Preise erreichen. Ausset- 
dem hat er sich gefallen gelegentlich auch Landschaften zu malen. 
Sie sind indess in dem conventionellen italienischen Geschmack ge- 
halten, und in der Farbe waltet häuüg ein zu eintöniges Grün 
vor. Endlich artet die sehr ins Einzelne gehende Ausüihrung öfter 
in das Kleinliche aus. Er muss ein ausserordentlich fleissiger 
Künstler gewesen sein, denn, obwohl er ein Alter von 67 Jahren 
erreichte, ist doch, bei der ausserordentlichen Ausführung seiner 
meisten Bilder, schon die Anzahl von 116, welche Smith anführt, 
sehr beträchtlich. Hierzu kommen endlich noch eine grosse Menge 
von Handzeichnungen, deren sehr viele, in Farben in Aquarell ge- 
malt, einige aber so im Einzelnen durchgeführt sind, dass sie eben- 
falls viel Zeit gekostet haben müssen. Nach den vorher gemachten
        

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