Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1259701
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1262769
274 
Buch. 
Kapitel 
vorher genannten Gattungen, besonders auf die Portraitmalerci, 
welche er sehr häufig, bei einem mehrjährigen Aufenthalt in Lon- 
don, ausübte. Er war ein guter Zeichner, aber kalt und schwer in 
der Färbung. In der Ausführung beiliss er sich einer öfter fast 
übertriebenen Sorgfalt. In England müssen sich in Privatbesitz 
noch manche seiner Bilder befinden. In Gallerien kommt er selten 
vor. Blumen in einem Pokale in der Gallerie zu München, 
N0. 532, Cabinette, von vielem Verdienst, zeigen in dem kühlen 
violettlichen Gesammtton, wie in der Ausführung des Einzelnen, 
einen entschiedenen Einfluss der Rachel Ruysch. Ein Kind in 
Lebensgrösse mit einem Papagei und Blumen in den Händen nebst 
reichem Beiwerk, in der königl. Gallerie zu Augsburg, macht durch 
den kalten und schweren Gesammtton eine unangenehme Wirkung, 
ist indess im Einzelnen mit einer ungemeinen Delikatesse aus- 
geführt. 1 
Von fünf Söhnen und einer Tochter dieses Künstlers, welche 
sämmtlich die Malerei von ihm lernten, und in London ihre Kunst 
ansübtenß zeichneten sich am meisten der 1706 geborne Ger- 
hart, und der 1719 geborene Frans" van der Myn aus. Von 
dem ersteren befindet sich eine Dame als Sehüferin gekleidet, unter 
N0. 1037, im Museum zu Berlin. Dieses, mit dem Namen des 
Künstlers und 1763 bezeichnete, Bild zeigt in der sehr gesuchten 
Art, wie die Schäferin mit der rechten Hand eine Rose pflückt, 
mit der linken eine Schürze mit Blumen hält, einen starken Ein- 
iinss der damaligen französischen Schule. Es ist übrigens in einer 
etwas kühlen Färbung mit vielem Geschick gemalt. Von Frans 
van der Myn, dessen Meisterschaft in der Malerei verschiedener 
Kleiderstoife gerühmt wird, ist mir in Gallericn kein Bild bekannt. 
Ich gehe jetzt zu den eigentlichen Genremalern über, welche 
gelegentlich, aber mit sehr unglücklichem Erfolg, auch Gegenstände 
aus der heiligen und Profangeschiehte, wie aus der Mythologie, 
behandelten, häufig und mit vielem Geschick Bildnisse malten. 
A. de Pape. Dieser fast unbekannte Meister ist unbedingt 
einer der besten Grenremaler dieser Epoche. Er ist wahr und 
sprechend in den Motiven, lebendig in den Köpfen, harmonisch in 
der, bisweilen selbst kräftigen, Färbung, und im Vortrag, von 
einer iieissigevi und weichen Ausführung. Als Beispiele von ihm 
 1 S. Kunstwerke und Künstler in Deutschland T! 
Familie van der Myn, Walpole S. 425. 
die 
über
        

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