Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1259701
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1262621
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Buch. 
Kapitel. 
Hochaltarblatt in der Kirche des heiligen Stephanus in der Neu- 
stadt von Prag ist eine grosse Composition von guter Anordnung. 
In den einzelnen Theilen erkennt man hier indess den Einfluss der 
Schule des Carracci. Die Färbung ist von einer Kraft, welche an 
Rubens erinnert. Die heilige Rosalia, auf einem Altar derselben 
Kirche, zeigt schon entschieden jenen Einfluss von Raphael. Noch 
deutlicher tritt indess derselbe in zwei, für die Hibernerkirche ge- 
malte, jetzt in der ständischen Gallerie aufbewahrte Bilder, Anna 
und Joachim, _welche die Maria lesen lehren, und der Heimsuchung 
Mariä, hervor. 
Johann Georg Heintsch, geboren in Schlesien, lebte vom 
Jahr 1678, bis zu seinem Tode im Jahr 1713, in Prag und bildete 
sich in manchen Stücken nach Karl Screta aus. Er verfolgte indess 
eine mehr ideale Richtung. Er hat besonders ein lebhaftes Ge- 
fühl für Anmuth der Bewegungen und für die Reinheit und Lieb- 
lichkeit in den Köpfen von Frauen und Kindern. In der Färbung 
hält er eine kühle, aber helle Stimmung fest. Er ist sowohl einer 
breiten, als einer zarten Behandlung gewachsen. Besonders be- 
merkenswerthe Bilder von ihm sind: Christus, zwülfjährig, im 
Tempel lehrend, in der ständischen Gallerie in Prag. Der Kopf 
Christi erinnert in der reinen Kindlichkeit an Borgognone. Der 
Ausdruck in den Köpfen der Maria und des Joseph ist würdig und 
lebendig. Maria stehend, im Jahr 1696 ausgeführt, auf einem 
Altar der Kirche auf dem Karlshof zu Prag. Trefflich in Form 
und Ausdruck!  Christus nach der Versuchung von Engeln mit 
Speis und Trank bedient im Sommerrefectorium des Klosters 
Strahow zu Prag. Von höchst origineller Auffassung! Christus 
sitzt an einem Tisch, welcher von vielen anmuthigen Engeln reich 
mit Speisen besetzt wird. Einer von ihnen fliegt mit einer Schüssel, 
worauf ein grosser Krebs, herbei. Der Heiland, in Form und 
Ausdruck durchaus würdig, hat sich soeben eine Auster erko- 
rßIl- Die Engel geben bei ihrer Verrichtung die grösste Ehrfurcht 
zu erkennen. 
Heinrich Schönfeldt, geboren zu Biberach 1609, gestor- 
ben zu Augsburg 1675, war ein Schüler des Johann Sichelbein, 
vollendete aber seine Kunstbildung durch eine Reise nach Italien. 
Er vrar ein sehr vielseitiger Künstler, denn er behandelte Ge- 
genstände aus der heiligen, wie der Profangeschichte, aus der 
Mythologie und Allegorie. Er malte endlich auch Idyllen und
        

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