Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1259701
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1262227
220 
Buch. 
Kapitel 
in jedem Betracht getreulieh nachgeahmt, ist indess, meines Er- 
achtens, darin noch mehr hinter ihm zurück geblieben, als in 
jenen. Die Luftperspektive ist bei ihm minder fein beobachtet 
und die Führung der Nadel stumpfer und Wolliger. Für Sein 
bestes Blatt halte ich mit Bartsch, N0. 3, den grossen Eichbaum. 
Jacob de Heusch, geboren 1657 zu Utrecht, gestorben 
1701, war ein Neffe und Schüler desvorigen und ahmte ihn, wie- 
wohl mit minderem Erfolg, nach. Von, durch Aufschrift beglaubig- 
ten Bildern, ist mir nur eins, datirt von 1699, in der Gallerie zu 
Wien bekannt. Es stellt einen Landungsplatz an einem See, mit 
vielen Schiifen und Figuren und in der Ferne hohe Gebirge in 
warmer, sehr harmonischer Abendbeleuchtung, vor, und beweist 
in der ganzen Art der Auffassung, dass auch Herman Saftleven 
auf ihn Einfluss gehabt hat. 
Adam Pynacker, geboren 1621, gestorben 1673, ging, ohne 
dass man seinen Meister wüsste, jung nach Italien und soll drei 
Jahr in Rom zugebracht haben. Wenn er dem Jan Both in der 
Grossartigkeit und dem Geschmack der Auffassung italienischer 
Natur nachstehen muss, so übertrifft er ihn dafür in der Mannig- 
faltigkeit. Ausser gebirgigten Gegenden mit Wasserfällen und kühnen 
Brücken, sehen wir von ihm Meeresküsten, an welchem sich hohe 
Gebirge hinziehen, italienische Seehäfen, aber auch einfache, ge- 
schlossene Landschaften, mehr in der Art seiner Vaterländischen 
Natur, eine Gruppe schöner Bäume, ein Buschwerk, einen Bach 
mit binsigem Ufer. Fast alle seine Bilder sind mit Menschen und 
Thieren belebt, welche er sehr gut zeichnete und malte. NVenn bei 
J. Both die warme Beleuchtung vorherrscht, so liebt er im Ganzen 
mehr die kühle, so dass auch seine Bäiume meist von einem bläu- 
lichen Grün sind. Es gelingen ihm daher besonders frische, kühle 
Morgenlandschaften. In Rücksicht der Klarheit steht er dem Both 
meist nach, ja manche seiner Bilder haben ein schweres und 
dunkles Ansehen, oft ist selbst seine grüne Farbe in das Blau um- 
geschlagen. In der Pinselführung ist er höchst präcis und Vortreff- 
lich und geht seine Ausführung bisweilen sehr in das Einzelne. 
Nur gelegentlich wird dieselbe etwas dekorativ, was ohne Zweifel 
seine Ursache darin hat, dass_er vielfach die Wände der Zimmer 
in Holland mit dekorativen Malereien bedecken musste. Dieser 
Umstand erklärt es auch, dass die Zahl der von ihm vorkommenden 
Bilder verhältnissmäissig gering ist, wie denn Smith nur 69 von
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.