Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1259701
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1260090
Epoche von 1600 bis 1690. 
so gewaltige, dass, im Gegensatz zu den Malern der vorigen Epoche 
selbst die NVerke der grössten Genien der italienischen Kunst, welche 
ihm vorangegangen, nur insofern auf ihn einwirken konnten, als er 
aus ihnen sich das aneignete. wodurch er die Entwickelung seiner 
Eigenthümlichkeit gefördert fühlte, keiner derselben aber im Stande 
war, ihn so mächtig anzuziehen, dass er darüber die von dem 
inneren Naturgesetz ihm vorgezeichnete Bahn verlassen hätte. Diese, 
seine Eigenthümlichkeit aber bestand nun wesentlich darin, dass 
sich in einem Grade, wie dieses nie ein anderer Maler vereinigt 
hat, die Anlage für eine wahre und lebendige Auffassung der Natur, 
für eine warme und klare Färbung, für eine malerische Gesammt- 
haltung, mit einem, alles Darstellbarc umfassenden, Reichthum der 
Erlindungskraft und einem Feuer der Phantasie durchdrang, welches 
ihn befähigte auch das Gewaltsamste und in der Natur Vorüber- 
gehendste in ergreifendster Weise "darzustellen. Die Vereinigung 
so höchst verschiedenartiger Eigenschaften in solchem Grade, lassen 
den mehrseitig gebildeten Kunstfreund, wenn auch nicht übersehen, 
so doch verschmerzen, dass die Formen seiner Köpfe, wie seiner 
Körper, nur selten edel, oder von feiner Durchbildung, häufig selbst 
sehr plump und gemein sind und sich auch sehr oft wiederholen, 
ja dass selbst sein Gefühl nur selten tief und warm, öfter selbst 
hart und roh ist. Es versteht sich übrigens, dass solche Bilder, 
deren Gegenstände seinem künstlerischen Naturell am meisten zu- 
sagen, auchram unbedingtesten befriedigen. Eine solche Natur- 
anlage zur vollen Entfaltung zu bringen, vereinigten sich aber die 
glücklichsten Lebensumstände. 
Den 29. Juni 1577 zu Siegen in der Grafschaft Nassau ge- 
boren,1 fand seine Lernbegier, sein grosses Talent für Sprachen, 
welches sich schon sehr früh äusserte, durch den angemessenen Unter- 
richt sogleich die vollste Nahrung. Als' er daher die Schule des 
Adam van Noort besuchte, um sich zum Maler auszubilden, besass 
er bereits  ein höchst seltner Fall bei einem Künstler  in einer 
 
Anzahl besonders charakteristischer Werke besprochen werden. Näheres über 
Rubens als Künstler in meinem Aufsatz im historischen Taschenbuch von Friedrich 
von Raumer vom Jahr 1833, und in van Hasselt: Histoire de P. P. Rubens, 
Bruxelles 1840. Ueber Rubens im Allgemeinen: Lettres inedites de P. P. Rubens 
publiäes düaprös ses ßutogruphes, Bruxelles 1840 par Emil Gachet. Die wichtig- 
sten derselben übersetzt in Guhls Kiinstlerbriefen Th. II. S. 129 B. 
1 S. hie-für den Beweis in der Schrift von Backhuisen van den Brink: „Het 
äuwelick van Willem van Ornnje mit Anna van Saxenß Amsterdam 1853. 
 133-143.
        

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