Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1259701
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1261995
von 1600 
Epoche 
bis 1690. 
197 
schaft vom Jahr 1675, im Museum des Haag, N0. 183. Gelegent- 
lich ist in seinen spätesten Bildern aber auch die Wirkung bunt, 
die Ausführung dekorativ. Die reine Naturwahrheit macht die Bilder 
des WVynants den Engländern sehr angenehm, und die Zahl der 
von ihm in England befindlichen, meist trelTlichen, Bilder ist an- 
sehnlich. Icl1 begnüge mich, hiervon eine kleine Landschaft mit 
einer Falkenjagd von Wouverman im Buckingham Palace, als eine 
feine Kunstperlef eine andere von seltner Kraft und Vollendung 
und mit reicher Staifage von A. v. de Velde in der Sammlung des 
Lord Ashburton, und eine nicht minder schöne mit zwei Pferden 
im Vorgrunde, bei Herrn Bredel anzuführen. 
Aart, oder Artus van der Ne er, geboren zu Amsterdam 
1619, gestorben ebenda 1683, bildet einen entschiedenen Gegen- 
satz mit Wynants, und nimmt eine ebenso selbständige Stellung- 
ein. Wenn jener uns meist seine Landschaften in dem hellen und 
frischen Tageslicht zeigt und daher gewöhnlich eine kühle Ge- 
sammtstimmung hat, so sehen wir die des van der Neer, gewöhn- 
lich Kanäle, an welchen sich Ortschaften hinziehen, meist in der 
nächtlichen Beleuchtung des Mondes, und von vorwaltend warmer 
Stimmung. Kein anderer Maler hat die tiefen und breiten Schatten- 
massen, so wie die Lichtwirkung des Mondes mit solcher Klarheit 
und Wahrheit gemalt, und die ruhige und wohlthuende Stimmung 
einer mondhellen Nacht so gut hervorzubringen gewusst, als er. 
Mit derselben Wahrheit hat er auch bisweilen Feuersbrünste ge- 
malt. Oefter stellt er aber ähnliche Gegenden von der Abendsonne 
beschienen, mit einer Gluth und Wärme dar, welche dem A. Cuyp, 
mit dem er auch gemeinsam gearbeitet hat, gleich kommt. Selbst 
seine Winterstücke haben meist eine warme Beleuchtung. Aeusserst 
selten, aber dann mit derselben Klarheit, wählt er die volle, kühle 
Tagesbeleuchtung, wie in einem trelflichen Bilde der Gallerie zu 
München, Noq244. In seiner früheren Zeit ist er noch in den 
Einzelheiten hart, im Vortrag trocken. Von dieser Art ist ein ge- 
frorener Kanal in der Sammlung des Lord Overstone in London? 
Dass er aber schon zeitig eine völlige Freiheit und Breite des Vor- 
trags, und hiermit zugleich eine feinere Kenntniss der Luft-Perspektive 
erreichte, beweist ein, vom Jahr 1643 datirtes, Bild desselben 
Gegenstandesß in derselben Sammlung, welche vier Bilder des 
1 S. Kunstwerke und Künstler in England Th. II. S. 181.  1' S. Treasurcs 
Th. IV. S. 139.  3 S. ebenda.
        

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