Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1259701
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1260074
Epoche von 1600 bis 1690. 
durch ihre Darstellung in den verschiedensten Zuständen, der völlig- 
stenVWindstille, der leisen Kräuselung, des frischen Fahrwindes, 
der starken Bewegung, des wüthendcn Sturms, eine grosse Abwech? 
selung, sie wird öfter durch ferne, oder nahe, Küsten unterbrochen, 
immer aber, nah und fern, von den verschiedenartigsten Schiffen, 
130m kleinsten Boot, bis zum grössten Linienschiff, belebt, welche 
sich zwar meist im friedlichen Verkehr des Handels, oder der 
Fischerei, befinden, bisweilen aber auch im wütheuden Kampf auf 
dein unwirthlichen Element begriffen sind. Wolkenschatten und 
einfallende Sonnenstrahlen bringen endlich die Vniannigfaltigsten 
Lidhtwirkungen hervor. Auch die Nettigkeit und Sauberkeit ihrer 
Häuser, die mannigfaltigen Spiele des Lichts in den Kirchen, ver- 
anlasste verschiedene Künstler, diese zum Gegenstand anziehender 
Bilder zu machen, worin selbst die schwierigsten Aufgaben der 
Luft- und Linienperspektive auf das Glücklichste gelöst sind. Die 
seltne Schönheit, wozu in Holland Blumen und Früchte, vermöge 
der sorgfiltigsten Kultur, ausgebildet werden, bewog ebenfalls manche 
Maler, sich aufDarstellung derselben zu legen, und es gelang ihnen 
durch geschmackvolle Zusammenstellung der Formen und Farben, 
durch die grösste Naturwahrheit des Einzelnen, "durch den vollen- 
detsten Vortrag, höchst anziehende Bilder hervorzubringen. Ver- 
mittelst dieser Eigenschaften wussten sie selbst den gleichgültigsten 
Gegenständen, als allerlei Hausgeräth, einem Frühstück u. dgl. m., 
welche man unter dem Namen  begreift, noch einen ge- 
wissen künstlerischen Reiz abzugewinnen. Zwei Eigenschaften aber 
sind den Bildern aller dieser verschiedenen Gattungen gemein, das 
feinste Gefühl für das Malerische, und die grösste Mei- 
sterschaft der Technik. Nach einem richtigen Gefühl, dass 
demäkleinen geistigen Interesse aller dieser Bilder auch nur ein 
mässiges Format entspräche, wurde ihifen indenRegel auch nur 
ein solches gegeben. Da nun dieses ebenfalls den meist nicht 
grossen Räumlichkeiten der Liebhaber entsprach, so kann man 
sagen, dass die holländische Schule dieser Epoche, eine neue 
Gattung, die Kabinetmalerei, ins Leben gerufen hat. 
Wenn diese Schule in dieser Zeit beweist, wie Ausserordent- 
liches selbst ein kleines Volk, getragen von einem grossen National- 
bewusstsein und begünstigt von äusseren Umständen, in der Kunst 
zu leisten vermag, so gewährt dagegen Deutschland in dieser Epoche 
ein betrübendes Beispiel, wie eine grosxsieäüaizlibii, deren hohe Be-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.