Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1259701
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1261931
Epoche von 1600 bis 1690. 
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ponirt sind, so liegt doch der Hauptzauber derselben in der ausser- 
ordentlichen Wahrheit und Schönheit der jedcsmaligen Licht- 
wirkung. Kein anderer Maler, mit Ausnahme von Claude, hat es 
so verstanden, die kühle Frische des Morgens, das helle, aber 
dunstige Licht eines hcissen Mittags, die warme Beleuchtung eines 
klaren Sonncnuntergangs, in allen Abstufungen, von der grössten 
Kraft des Vorgrundes, bis zum zartestcn Ton der Ferne, wieder- 
zugeben, als Ouyp. Die Wirkung seiner Bilder aber wird noch 
ungemein durch die Kunst erhöht, womit er sich der Kontraste zu 
bedienen weiss, wie z. B. die dunklen Farben ruhender _Kühe sich 
gegen den hellen Himmel absetzen. Die Stimmungen, welche er 
durch solche Eigenschaften in dem Bcschauer hervorbringt, sind 
oft von höchst poetischer Art. Sowohl hierin, als in dem breiten, 
sicheren Vortrage, dem vortrefflichen lmpasto, hat er eine grosse 
Verwandtschaft zu Rembrandt. Dagegen herrscht in seinen Thieren, 
vorzüglich in dem Rindvieh, eine gewisse Einförmigkeit und sind 
deren Köpfe meist etwas schmal, auch geht seine Ausführung der- 
selben, wie überhaupt, in der Regel nicht sehr in das Einzelne. 
Nur hieraus lässt sich erklären, warum seine Bilder, deren Smith 
335 verzeichnet hat, in seinem Vaterlande so lange Zeit nicht die 
verdiente Anerkennung gefunden haben, so dass, wie aus den 
Auctionsoatalogeil hervorgeht, bis zum Jahr 17x50 kein Bild von 
ihm höher, als mit 30 Gulden bezahlt worden und dass, wie mir 
ein holländischer Kunstfreund mitgetheilt, wenn sich für ein Bild 
in einer Versteigerung kein Biether finden wollte, der Auctionator 
durch die Aeusserung, dass er noch ein „Cuypchen" hinzuthun 
wolle, ein Gebot zu veranlassen suchte. Das Verdienst, die hohe 
Stelle, welche Ouyp in der Kunst gebührt, zuerst gewürdigt zu 
haben, gebührt den Engländern, welche schon im Jahr 1785 in der 
Versteigerung der trefflichen Sammlung von van der Linden van 
Slingelandt zu Dortrecht höhere Preise bezahlten, die indess bis 
jetzt wohl noch um das Vierfache gestiegen sind. Daher kommt 
es denn auch, dass etwa Neunzehntel seiner Bilder sich in England 
befinden, und er, mit Ausnahme des Louvre und der Eremitage 
zu St. Petersburg, welche je sechs Bilder von ihm besitzen, in 
den Museen des Oontinents ganz fehlt, oder mindestens sehr schwach 
besetzt ist. Glücklicherweise sind einige seiner schönsten Werke 
in England in öffentlichen Gallerien, und in solchen Privatsamm- 
lungen, welche zu den zugänglichen gehören. Cuyp ist indess nach
        

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