Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1259701
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1260056
Epoche von 1600 bis 1690. 3 
zahl der Künstler, welche sie anbauen, vornehmlich dem früheren 
Abschnitt dieser Epoche an. Verschiedene Umstände wirkten da- 
gegen zusammen, um in dem protestantischen Holland nicht nur 
obige Gattungen, wie in Belgiefdriit" Aneignung aller Vorzüge, 
welche Wahrheit, Haltung, Luft- und Liinien-Perspective, Irlärbung 
und treilliclie Handhabung des Pinsels darbieten, zur höchsten 
Vollkommenheit auszubilden, sondern auch noch die Malerei Von 
See- und Architektur-Stücken, selbst von Stillleben, mit gleichem, aus- 
serordentlichem Erfolg, als besondere Fächer anzubauen. Fassen wir 
diese Umstände etwas näher ins Auge! Das, durch die, nach langen 
und schweren Kämpfen gegen die übermächtige spanische Monarchie, 
effllngene Unabhängigkeit, und durch die Begründung einer an- 
sehnlichen Machtstellung und grossen Reichthums, gesteigerte Na- 
üonalbewusstsein trug in Holland auf verschiedenen Gebieten des 
Geistes, in der Pliilologie, der Geschichtschreibung und der Poesie 
schöne Früchte.  Bei" der besondern Begabung der Holländer,  
die Malerei war es aber vollends sehr natürlich, dass sie begierig 
jede Form ergriffen, welche der neue Zustand der Dinge ihnen 
darbot, um auch auf diesem Gebiet jenes gesteigerte Nationalgefiihl 
zu bethätigen. Obgleich nun, wie schon oben bemerkt worden, 
durch die dortige Form des Protestantismus die religiöse Kunstvon 
den Kirchen ausgeschlossen war, so sprichtsich doch in einer 
Reihe von Bildern, deren Gegenstände demalten, wie dem neuen 
Testamente entnommen sind, wiewohl in einer Art der realistischen 
Auffassung, welche intrder Regel von aller Schönheit der Form 
absieht, eine wahre und innige Durchdringung des Gehalts der heiligen 
Schrift aus. Vornehmlich aber sahen sich die Maler durch andere 
Beziehungen des sie umgebenden Lebens zu künstlerischer ihalitig- 
keit. angeregt, und fanden ihre, aus diesen neuen Momenten der 
künstlerischen Begeisterung hervorgegangenen, Bilder durch das, 
bald in allen Klassen verbreitete, lebhafte Gefallen, ihre Zimmer 
damit zu schmücken, eine so glänzende Inerkennung, dass die 
erstaunliche Anzahl der in diesem kleinen Lande, in einem ver- 
hältnissmässig kurzen Zeitraum, hervorgebrachten, Gemälde nicht 
weniger Erstaunen und Bewunderung verdient, als ihre 110119 
Vortretflichkeit. Manche Maler fühlten sich von der Schönheit 
und Eleganz angezogen, welche, in Folge des grossen Reich- 
thums, in den Kleidern, dem Hausgeräth und der ganzen Um- 
gebung der höhereiirßtände Sitte" geworden war. Solche Bilder
        

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