Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1259701
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1261740
172 
Buch. 
Kapitel. 
ein Bild mit Vieh vor einem Meierhofe, N0. 122, dessen Formen 
ungemein mit denen des Potter übereinstimmen und was auch mit 
viel Geschick gemalt ist. Der Ton ist indess schwerer, das Impasto 
geringer, als bei ihm.  
Adriaen van de Velde, geboren 1639 zu Amsterdam, ge- 
storben ebenda 1672, ein Schüler des Jan Wynants, steht mit dem 
Potter fast auf gleicher Höhe, denn, wenn er ihm schon in der 
Energie der Auffassung des Vieh's, in der plastischen Modellirung, 
endlich in der Breite des pastosen Vortrags um Vieles naehsteht, 
so ist er ihm doch an Vielseitigkeit der Gegenstände, an Geschmack 
der Composition, an Feinheit der Zeichnung, wie endlich an einer 
gewissen Wärme und Gemüthlichkeit des Gefühls, wieder überlegen. 
In einer Beziehung hat er indess eine grosse Aehnlichkeit mit 
Potter, dass er nämlich, wie jener, schon mit 14 Jahren ein sehr 
ausgezeichneter Künstler war, und dass er, ebenfalls sehr jung, 
nämlich mit 32 Jahren, starb. Am gewöhnlichsten stellt er Vieh 
im Bruchland dar, wo Bäume die weitere Aussicht beschränken, 
zu ihren Füssen sich kleine Flächen von stillem NVasser befinden, 
und in der Regel Hirt und Hirtin nicht fehlen. Gelegentlich malt 
er aber auch in freierer Aussicht eine Jagdgesellschaft, bisweilen 
von einem Schlosse aufbrechend, oder dahin zurückkehrend. Selten, 
aber mit der grössten Meisterschaft, stellt er uns blosse Land- 
schaften, mit besonderer Vorliebe die Küste von Scheveningen, in 
der Regel von mehreren, höchst malerisch angeordneten und treff- 
lich gezeichneten, Figuren, Menschen, Pferden und Hunden belebt, 
dar. Einigemal malt er, und mit nicht geringerem Erfolg, Winter- 
landschaften. Für Gegenstände aus dem Kreise der Historienmalerei 
und der Mythologie hatte ihm indess, wie einige Beispiele lehren, 
die Natur das Talent versagt. Sein feines Gefühl" hat ihn stets da- 
vor bewahrt, sich in lebensgrossem{Massstabe zu versuchen. Wenn 
wir die höchst delikate Ausführung seiner Bilder und den Umstand 
erwägen, dass er sehr häufig die Bilder anderer Maler, namentlich 
des van der Heyden, des Hobbema, des J. Ruysdael, des Wynants, 
des Jan Hackaert, des Moucheron und des Verboom mit Figuren 
schmückte, so zeugt die Zahl der sich bei Smith auf 187 belaufen- 
den Bilder von ihm, bei einer so kurzen Lebensdauer, nicht allein 
von einem ausserordentlichen Fleiss, sondern auch von einer er- 
staunlichen Leichtigkeit des Hervorbringens. Da auch er seine
        

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