Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1259701
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1261712
Epoche von 1000 bis 1690. 
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gebunden, das Haupt gebückt, von zwei Wölfen und einem Bären 
bewacht, vor Gericht geführt. Der Löwe mit einem Scepter, er- 
wartet ihn in stolzer Haltung. Neben ihm die Löwin. Zu den 
Seiten der Elephant, als Beirath und der Fuchs als Protokollführer. 
Hinter dem Jäger werden ebenso vier Hunde, von sehr gedrückter 
Stimmung, paarweise gefesselt, von einem Bären und einem Wolf 
herbeigeführt. Verschiedene andere Thiere sind noch als Zeugen 
zugegen. Das untere Bild stellt die Vollstreckung des Urtheils dar. 
Der, als Braten am Spiess steckende, Jäger wird von einem wilden 
Schwein und einem Steinbock begossen, während zwei Bären den 
Spiess drehen und ein Elephant und ein Aife Holz herbeitrageil. Da- 
neben erleiden auch die Hunde ihre Strafe. Einer hängt bereits 
an einem dürren Baumzweig, ein anderer ist so eben von einem 
Wolf und einem Fuchs emporgezogen, und in der Todesangst geht 
es ihm nicht besser wie Rembrandts Ganymed- Ein Affe, welcher 
die beiden anderen Hunde gefesselt hält, deutet ihnen ihr Schicksal 
emporweisend an. Während der Löwe in stolzer Ruhe diesem 
Schauspiel zusieht, lassen andere Thiere, namentlich der Stier, der 
Bär, der Eber und der Steinbock ihre "Freude über die Strafe des 
Jägers in einem wilden Tanz aus. Der köstliche Humor in diesen 
tanzenden Thieren erreicht seinen höchsten Grad in dem Stein- 
bock. Der Wolf allein drückt seine Freude in ungeschlachter Weise 
dadurch aus, dass er sich auf der Erde herumwälzt. Alle diese 
Bilder sind von einer sehr kräftigen, die meisten zugleich von einer 
ungemein warmen (Färbung, die höchst geistreiche Behandlung ist 
etwas breiter, als gewöhnlich.  
Die Bilder des Potter in den Gallerien zu München und 
Dresden sind zwar echt, aber nicht geeignet von der Grösse des 
Meisters eine Vorstellung zu geben. Wohl aber ist dieses der Fall 
mit dem Bilde in der Sammlung des Grafen Czernixi in Wien, vom 
Jahr 1647, welches das Austreiben des Viehs, wovon zwei Kühe 
sich stossen, in klarer Morgenbeleuchtung vorstellt. 
Die Bewunderung dieses Meisters wird noch ungemein ge- 
steigert durch, in vier Bänden auf dem Kupferstichkabinet zu 
Berlin, enthaltene Studien desselben. Da sie das einzige, mir 
bekannte Beispiel sind, dass sich solche von einem Meister ersten 
Ranges der holländischen Schule dieser Epoche noch in ihrem 
ursprünglichen Zustande (hier in Einbänden von Schweinsleder) 
erhalten haben, so halte ich es für angemessen eine etwas nähere
        

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