Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1259701
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1261684
166 
Buch. 
Kapitel 
leuchtung von grossem Reiz, und findet sich hier zum erstenmäl 
die volle Vereinigung von Bestimmtheit der Formen mit Weiche 
des Vortrags. Zwischen diesen beiden Bildern steht das trelfliche 
Bild des Herrn Walter zu Bearwood von demselben Jahrß Wir 
sehen hier zwei Kühe und einen Stier, so dass diese Composition 
vor dem Bilde im Haag nichts voraus hat. Dennoch macht es 
bei gleicher Vollendung einen ungleich wohlthätigeren Eindruck, 
weil hier die Thiere, bei 1 F. 5'f2 Z. Höhe, 1 F. 3 Z. Breite des 
Bildes, obwohl grösser, als auf dem Bilde in der Grovenorgallerie 
doch immer weit unter Lebensgrösse sind.  Ein würdiges Gegen- 
stück zu dem Bilde jener Gallerie bildet eine reiche Composition 
im Museum des Haags, vom Jahr 1648, wo sich eine Kuh in 
einem hellen und stillen Wasser spiegelt. Es giebt überhaupt nur 
Wvenige Bilder, worin die Frische und die Klarheit eines Sommer- 
morgens mit so bewunderungswürdiger Meisterschaft wiedergegeben 
sind. Dabei ist die Composition sehr malerisch, die einzelnen 
Motive sehr ansprechend, der Vortrag von wunderbarer Präcision. 
Das Jahr 1649 ist wieder eins der bedeutendsten in der kurzen 
Laufbahn dieses Künstlers. Zwei Kühe und ein junger Stier auf 
der Weide aus demselben  Buckhinghampalace vereinigen, mit 
der gewohnten Naturwahrheit, eine ausserordentlich kräftige Wir- 
"kung und die seltenste Breite und Freiheit der Behandlung im 
solidesten Impasto. Aus diesem Jahr ist auch der berühmte Meier- 
hof, früher in der Gallerie zu Kassel, jetzt in der Gallerie zu St. 
Petersburg. 2 Nachdem das als das Meisterwerk von Potter an- 
erkannte Bild, „le grand troupeau de boeufs" genannt, welches die 
Kaiserin Katharina II. von der berühmten Bramcamyschen Samm- 
lung in Holland erworben hatte, durch Schiifbruch verloren ge- 
gangen ist, gebührt ohne Zweifel diesem Bilde die erste Stelle unter 
seinen Werken. In dem verhältnissmässig nicht grossen Raum von 
2 F. 811-2 Z. Höhe und 3 F.  Z. Breite übertrifft es alle übrigen 
Bilder des Meisters an Reichthum und Geschmack der, durch viele 
einzelne Motive anziehenden, Composition, und in der Haltung, der 
Lichtwirkung eines sommerlichen Nachmittags, der Naturwahrheit 
in allen Einzelheiten, dem höchst iieissigen, aber zugleich markigen 
Vortrage, steht es auf gleicher Höhe mit seinen besten Bildern. 
In dem, auf der linken des Bildes gelegenen, Hause sieht man 
1 S. Treasures Th. IV. S. 293.  Z S. Smith, Catnlogue raisonnä 
621. Am bekanntesten unter dem Namen "die pissende Kuh."
        

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