Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1259701
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1261676
Epoche von 1600 bis 1690. 
165 
 Schon im folgenden Jahr 1647, gelangt er aber auf seine volle 
Kunsthöhe. Von den verschiedenen, mit diesem Jahr bezeichneten 
Meisterwerken, kann ich hier nur drei anführen. Der berühmte 
junge Stier im Museum des Haags enthält ausserdem noch eine 
liegende Kuh, ein Schaf und einen Hirten in einer Landschaft. 
Sämmtliehe Gegenstände sind in Lebensgrösse und das Vieh von 
einer so erstaunlichen Wahrheit, dass es nicht allein in einer ge- 
wissen Entfernung dcn Eindruck der Natur macht, sondern die 
Illusion auch noch ganz in der Nähe so gross ist, dass, z. B. an 
der Kuh, die einzelnen Stirnhaare als wirklich vorhanden erschei- 
nen. 'Das' plastische Element, die Energie des Machwerks treten in 
diesem grossen Maassstabe besonders überraschend hervor. Nur 
die Beine des Stiers und das gekrümmte Vorderbein der Kuh haben 
etwas Steifes. Aber auch ganz abgesehen hiervon, beweist dieses 
Bild, trotz der ausscrordentliehen Kunsthöhe, worauf es im Ganzen 
steht, gerade, ein wie richtiges Gefühl die holländischen Maler ge- 
führt hat, wenn sie in der Regel die Gegenstände ihrer Bilder in 
einem kleinen lilaassstabe gehalten haben. Abgesehen vom Por- 
trait, bei welchem es vor Allem auf die treue Wiedergabe der 
Natur ankommt, verträgt ein Gegenstand nur die Behandlung in 
Lebensgrösse, wenn er ein bedeutendes geistiges Interesse gewährt. 
Schon die ansprechendsten Gegenstände eines Terburg, Metsu, Jan 
Steen, G. Dow, würden uns unbefriedigt lassen, wenn sie in Lebens- 
grösse dargestellt wären, und bei ihnen handelt es sich doch immer 
noch um Menschen und menschliche Beziehungen. Hier aber, 
wo uns als Hauptsache das Vieh, und nur in seinem blossen 
Dasein, vorgeführt wird, steht das geistige Interesse noch ungleich 
weniger in Verhältniss zu dem Raum, welchen es, in Lebensgrösse 
dargestellt, einnimmt. Es macht sich zu breit, es erscheint unge- 
schlacht. Ich gestehe daher, dass ich das kleine Bild (1 F. 35,18 Z. 
hoch, 1 F. 75142. breit) aus demselben Jahr in der Grovenor 
Gallerie in London, 2 welches fünfKühe, einen Stier und anderes 
Vieh, von einer warmen Abendsonne beschienen, vorstellt, jenem 
Bilde im Haag weit vorziehe. In diesem kleinen Raum haben wir 
eine ungleich reichere und ansprechendere, und doch so wahre 
Anschauung, 9-19 0b Wir diese Gegenstände durch ein Verkleinerungs- 
glas in der Natur sähen. Zugleich ist die warme und klare Be- 
Treasures Th. 
337. 
ebenda Th. 
167.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.