Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1259701
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1261358
Epoche von 1600 bis 1690. 
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Bildern gehört der Heirathscontrakt, in der Gallerie zu Braun- 
schweig, No. 430. Unter seinen verschiedenen, das Bohnenfest 
darstellenden, Bildern möchte das in der Gallerie zu Oassel, mit 
dem Jahr 1668 bezeichnete, N0. 576, wohl die erste Stelle ein- 
nehmen. Es ist voll ergötzlicher Motive. S0 ist ein Knabe hier 
Bohnenkönig geworden. Auch die Ausführung ist iieissig und 
geistreich. Das Leben in einem Wirthshausgarten, N0. 795 des 
Museums zu Berlin, zeichnet sich besonders durch die sonnige 
Lichtwirkung, die lebendigen Köpfe, die geistreiche Behandlung 
aus. Als Beispiele der historischen Bilder des Meisters führe ich 
nur die Hochzeit zu Kana, in der Sammlung des Herzogs von 
Aremberg zu Brüssel und Esther vor Ahasverus in der Eremitage 
zu St. Petersburg an. Ersteres ist nicht allein eins der besten, 
mir bekannten Bilder dieser Art, sondern gehört durch Umfang, 
Reichthum der eigenthümlichen Gruppen und feiner Dnrchbildung 
überhaupt zu den namhaftesten Arbeiten des Meisters. Das zweite, 
mit vieler Einsicht componirte, und höchst gediegen ausgeführte, 
kommt an Kraft des goldigen Tons, an Tiefe des Helldunkels dem 
Rembrandt nahe. 
Eine ganz eigenthümliche Gruppe der holländischen Schule 
bilden die Feinmaler, an deren Spitze Gerard Dow 1 steht. Wie 
fieissig nämlich auch Maler, wie Terburg, Metsu und Netscher ihre 
Bilder ausgeführt haben, so benutzen Dow und seine Schüler und 
Nachfolger noch ungleich mehr als jene die zur höchsten Vollkom- 
menheit ausgebildete Technik, um auch die kleinsten Einzelheiten 
mit bewunderungswürdiger Treue wiederzugeben. Der am 7. April 
1613 zu Leyden geborene, und 1680 gestorbene, Gerard Dow gehört 
zu den Malern, deren grosses Talent sich schon sehr früh ent- 
wickelt hat, denn, bereits mit 15 Jahren ein Schüler des Rembrandt, 
reichte die kurze Zeit von drei Jahren hin, ihn zum selbständigen 
Künstler auszubilden. Er legte sich anfangs auf die Portraitmalerei, 
und hat gleich seinem Meister, besonders oft sein eignes Bildniss 
gemalt, behandelte aber später meist Vorgänge aus dem Leben der 
mittleren und unteren Stände. Nur ausnahmsweise ging er zu den 
höheren Ständen über. Ein besonderes Gefallen fand er an der 
Darstellung von Einsiedlern. Auch Vorgänge aus der Bibel führte 
er bisweilen aus. In einzelnen Fällen malte er endlich auch Still- 
1 Ich folge hier der herkömmlichen Schreibart, obwohl der Meisqer selbst sich 
immer Dou bezeichnet hat.
        

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