Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1259701
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1261250
bis 14 
Epoche von 1600 
123 
sich die Hände in einem, ihr von einer Zofe vorgehaltenen, Becken 
wäscht, N0. 1180. In München sieht man in der Gallerie ein 
sehr schönes Bild, N0. 470 Cabinette, wo der Trompeter den Brief 
dem Mädchen anbietet, welches, wegen der Gegenwart der, den 
Vorgang mit grossem Unwillen ansehenden, Zofe, unschlüssig ist, 
0b sie den Briefannehmen soll. Im Museum zu Amsterdam 
sieht man endlich in dem, unter dem Namen der väterlichen Er- 
mahnung berühmten Bilde, N0. 308, die Schlussscene der kleinen 
Novelle. Die Zofe hat die Sache dem Vater verrathen, und er 
ertheilt der Tochter, in welcher der Künstler dadurch, dass er sie 
vom Rücken zeigt, sehr glücklich das Gefühl des sich Schämens 
ausgedrückt hat, einen Verweis. "Leider hat dieses schöne Bild 
sehr gelitten, so dass die trefflich erhaltenen Originalwiederholungen 
in der Gallerie zu Berlin, N0. 791, und in der Bridgewatergallerie 
in London jetzt unbedingt den Vorzug verdienen. Von den etwa 
90 Genrebildern, welche Smith von Terburg beschreibt, kann ich 
nur noch einige der vorziigliehsten anführen. Ein Oftizier im trau- 
lichen Verkehr mit einem Mädchen und ein Trompeter, welcher ihm 
einen Brief gebracht hat, im Museum im Haag N0. 169. Beson- 
ders für das Helldunkel und die feine Harmonie der gebrochenen 
Farben sehr ausgezeichnet. Im Louvre: Ein stattlicher Offizier, 
mit einem feingekleideten Mädchen in einem Gemache sitzend, 
bietet ihr Geld an, N0. 526. In der Lebendigkeit der Köpfe, der 
Zeichnung, dem fein abgewogenen Silberton, der ebenso fleissigen 
als freien Behandlung, ein Hauptwerk des Meisters. Vor einem 
Herrn, welcher sitzend die Laute spielt, steht ein Mädchen mit 
einem Notenbuch. Im Hintergrunde eine sie beobachtende Frau. 
Vom Jahr 1660, N0. 527. Durch die Feinheit, womit die Figuren 
auf einander bezogen sind, die tiefe, kühle Harmonie, von reizen- 
der Wirkung. Der Gripfelpunkt von Feinheit in der Klarheit und 
Harmonie des Silbertons ist indess ein junges Mädchen in weissem 
Atlas, welche, an einem Tische sitzend, auf der Laute spielt, in 
der Sammlung des Schlosses Wilhelmshöhe zu Kassel. Auch in 
dem Anziehenden des Gefühls, der Bequemlichkeit der Stellung, der 
Zartheit der Touche hat der Meister nur selten diese Höhe erreicht. 
Unter den sechs, von Terburg in der Eremitage zu St. Petersburg 
befindlichen, Bildern gehören ein Mädchen, welches einen Brief 
liest, und ein Mädchen, dem ein junger Herr Geld anbietet, eben- 
falls zu seinen besten Arbeiten. Unter den 23 Bildern, von denen
        

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