Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1259701
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1261242
122 
Bue) 
Kapitel 
all viele Portaite in kleinem Maasstabe ausführte. Während eines 
längeren Aufenthalts in Münster zur Zeit des Friedenscongresses 
malte er nicht allein die Bildnisse verschiedener _der Gesandten, 
sondern auch die sämmtlichen Mitglieder des Congresses in sehr 
kleinem Maassstabe auf einem Bilde. Nachdem er in ähnlicher 
Weise noch am Hofe zu Madrid thäitig gewesen, liess er sich zu De- 
venter nieder, wo er nachmals die Stelle des Bürgermeisters be- 
kleidete. Unter den Portraiten, welche er später malte, befanden 
sich auch zwei des Prinzen Wilhelm von Oranien, nachmaligen Königs 
von England. Gelegentlich malte er auch wohl Bildnisse in Lebens- 
grösse, welche durch ihre Meisterschaft in Auffassung und Ausfüh- 
rung zeigen, dass er selbst solchen Aufgaben durchaus gewachsen 
war. Seine Berühmtheit in der Kunstgeschichte verdankt er aber 
vornehmlich einer Anzahl von Bildern, welche selten mehr als drei, 
häufig aber auch nur eine, Figur aus den wohlhabenden Ständen, in 
einer gewählten Eleganz des Anzugs und der ganzen äusseren Er- 
scheinung, mit der feinsten Haltung und einer höchst delikaten, 
aber keineswegs geleckten Ausführung darstellen. Er ist als der 
Schöpfer dieser Gattung anzusehen, worin nach seinem Vorgange 
sich noch mehrere andere holländische Künstler hervorthaten. Die 
Hauptlichtmasse bildet bei ihm meist das weissatlasne Kleid einer 
Dame, welches zugleich den Ton für die, vorwaltend der kühlen 
Tonleiter entnommenen Harmonie angiebt, selbst wenn die, immer 
höchst naturwahren, Gesichter warm eolorirt sind.- Mit dem fein- 
sten malerischen Gefühl versteht er es aber ausserdem durch einige 
warme Farben die Eintönigkeit zu vermeiden. Von Portraiten von 
ihm, welche jetzt selten in Gallerien vorkommen, führe ich nur 
sein eigenes in ganzer, stehender Figur im Museum im Haag, 
N0. 170, an. Die in einem gemässigt bräunlichen, klaren Ton 
wiedergegebenen Züge des edlen Gesichts zeigen, dass er sich in 
schon höheren Jahren gemalt hat. Er trägt eine Alongenperiicke. 
Das Hauptbild in diesem Fache, die Gesandten des Congresses zu 
Münster, beiindet sich jetzt im Besitz des Grafen Demidclf in Russ- 
land. Unter seinen Genrebildern findet gelegentlich ein Zusammen- 
hang statt, so dass mehrere, verschiedene Vorgänge einer-Geschichte 
darstellen. So befinden sich in der Gallerie zu Dresden zwei 
recht gute Bilder von ihm, deren eins einen Offizier vorstellt, welcher 
einen Brief schreibt, und einen Trompeter, der darauf Wartet, 
N0. 1179, das andere, ein Mädchen in weissem Atlaskleide, welches
        

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