Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1259701
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1261152
biS 1690. 
Epoche von 1600 
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anderer Meister wirkt er vornehmlich durch die Poesie des Lichts 
und durch die wunderbare Helle und Klarheit, womit er dasselbe 
in den verschiedensten Entfernungen, vom Vorgrunde bis zum 
Hintergrunde, wo häufig noch ein neuer Lichtstrahl einfällt, wieder- 
zugeben weiss. Von den Lokalfarben- ist bei ihm die vorherr- 
schende, welche sich mit grosser Feinheit in allen Entfernungen 
wiederholt, das Roth. Hierdurch wird die übrige Stimmung be- 
dingt. Der Vortrag ist von grosser Freiheit, das Impasto durch- 
weg vortrefflich. Die Engländer haben diesen, längere Zeit unbe- 
achteten, Meister zuerst wieder zur Geltung gebracht, und die 
Mehrzahl der, etwa hundert überhaupt von ihm bekannten, Bilder 
befinden sich in englischen Privatsammlungen. Zwei der schönsten 
sind, eine Gesellschaft von drei Herrn und einer Dame beim Kar- 
tenspiel in Buckinghampalace vom Jahr 1658, und eine Frau mit 
einem Kinde, welche im glänzendsten Sonnenschein auf einer 
Strasse in Utrecht einhergeht, in der Sammlung des Lord Ash- 
burton. ' Die seltnen, in öffentlichen Sammlungen auf dem Conti- 
nent befindlichen Bilder von diesem Meister sind folgende. Im 
Louvre, N0. 224, eine Dame, welche mit einem Herrn Karten 
spielt, zieht einen Offizier zu Rathe. Von sehr grosser Energie 
der Lichtwirkung, sonst nicht ersten Rangs. N0. 223, eine Köchin 
beobachtet ein Kind. welches Ball spielt. Ausnahmsweise durch 
die glühende Abendsonne beleuchtet, und auch von ungewöhnlich 
gemüthlichem Eindruck. Im Museum zu Amsterdam, N. 151, in 
dem Vorraum eines Kellers ist eine Frau im Begriff ein Kind aus 
einer Kanne Bier trinken zu lassen. Sehr ansprechend in dem ein- 
fachen Motiv und von seltner Tiefe in der ebenfalls warmen Har- 
monie. Der Vortrag ist ein Muster von Weiche und Sattigkeit. 
Das am meisten glühende Bild in dieser Art von Beleuchtung dürfte 
aber eine Frau, welche sich mit ihrem Kinde häuslich beschäftigt, 
in der Sammlung van der Hoop in Amsterdam sein. Ebenso 
ist sein Meisterstück für den Gegensatz, einer grossen Masse eines 
klaren, aber tiefen Schattens, ein Mann und eine Frau in einem 
Gemach in derselben Sammlung. Wiirdig schlicsst sich diesen ein 
vordem Hause sitzendes Ehepaar, und zwei Mägde ebenda, und 
ein vom Reflex der Sonne beleuchtetes Zimmer in der Gallerie zu 
1 Vergl. Treasures Th. II. S. 11 um 
Waagen, Handb. d. Blalerei. II.
        

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