Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1259701
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1261133
Epoche von 1600 bis 1690. 
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indess öfter röthlicher, in den Schatten schwarzer als sein Meister. 
In öffentlichen Gallerien kenne ich nur: in Amsterdam, ein 
junges, im Fenster liegendes Mädchen, im Museum N0. 92, ein 
kleines Meisterstück in einem hellen, weichen Goldton, und eine alte 
Spinnerin, in der Sammlung van der Hoop, deren Kopf, bis auf die 
von der Sonne beschienene Stirn, im Helldunkel gehalten ist. In 
der Nationalgalleiie zuLond0n befinden sich, die Wiege, N0. 153, 
die holländische Haushaltung, N0. 159, und die faule Köchin, 
N0. 207, von 1655. Alle drei trefflich, letzteres aber ein Haupt- 
bild des Meisters. 1 Auf gleicher Höhe, jedoch durch das Gemüthliche 
des Gegenstandes noch anziehender, ist ein, irrig dem Oaspar 
Netscher beigemessenes, Bild in der Eremitage zu St. Petersburg. 
In einem Zimmer sehen wir eine Mutter mit ihren vier Kindern. 
Während sie das jüngste, dessen Wiege neben ihr steht, säugt, 
sieht sie ein etwa achtjähriges Mädchen an, welches ein schönes 
Kätzchen hält, ein kleineres Mädchen neben ihr bläst eine Art Flöte. 
Im Vorgrunde ein anderes kleines Mädchen, welches Spitzen klöp- 
pelt. Das sehr kräftige Licht eines Fensters erhellt das Zimmer. 
Haltung, Kraft der warmen Färbung, Sorgfalt der Durchführung 
sind von gleicher Vortrefflichkeit. Endlich ein betendes Mädchen, 
in der Gallerie der Uffizien zu Florenz, dort irrig dem Caspar 
Netseher beigemessen. Eins seiner grössten, mit dem Namen und 
1657 bezeichneten, Meisterstücke von ungewöhnlichem Umfang, und, 
für ihn, reicher Composition, befindet sich in der Sammlung Six zu 
Amsterdam. Im Vorgrunde ein Mädchen, welches ein Liebes- 
paar im" Mittelgrunde belauscht. Im I-Lintergrunde eine Gesellschaft 
um einen Tisch, ein Einblick in ein anderes Zimmer und in das 
Freie. In der Lichtwirkung hat dieses Bild viel Verwandtschaft 
zum Pieter de Hoogh, indess ist die Ausführung der Köpfe wahrer 
und fleissiger, die Art aber, wie bei der allgemein kühlen Stimmung 
und gebrochenen Tönen, das Roth als Contrastfarbe, sich von dem 
Rock im Vorgrunde, bis zu einem Hause in der Landschaft in 
zarter Abstufung wiederholt, bewunderungswürdig. Die Mehrzahl 
der Genrebilder dieses Meisters befinden sich in Privatsammlungen 
in England und von den meisten habe ich in den Treasures Rechen- 
schaft gegeben. Ich kann hier nur noch das lauschende Mädchen 
vom Jahr 1655 in Bukingham Palace, als ein würdiges Seitenstück 
Näheres Treasures 
355.
        

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