Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1259701
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1261118
Epoche von 1600 
bis 1690. 
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eines Mannes mit seiner Frau, vom Jahr 1649, in der Sammlung 
von Thomas Baring das vorzüglichste. 
Nach der Betrachtung dieser drei Hauptschüler von Rembrandt 
werde ich die übrigen, durch seine Kunstweisc bedingten, Meister 
ungefähr in der Folge ihrer künstlerischen Bedeutung vornehmen, 
ohne mich daran zu kehren, 0b sie ausdrücklich als Schüler von 
ihm aufgeführt werden. Bei der Dürftigkeit und Unzuverlässigkeit 
der über diese grosse Schule vorhandenen Nachrichten, ist es leicht 
möglich, dass einer oder der andere, von dem dieses nur aus Zu- 
fall nicht angemerkt werden, seine Schule besucht hat. 
An der Spitze steht hier Jan van der Meer aus Delft und 
daher der „Delftsche van der Meer" genannt, von dem man nichts 
weiss, als dass er 1632 geboren sein soll und von dem man nur 
eine kleine Zahl von Bildern kennt, welche theils wenige Personen, 
theils einzelne Mädchen, meist am Fenster, theils Ansichten von 
Städten mit einigen Figuren belebt, theils endlich Portraite, dar- 
stellen. 1 Alle diese Bilder zeigen ein so grosses Talent in der Auf- 
fassnng, eine solche Kühnheit in der harmonischen Zusammenstel- 
lung tiefer und satter, ausnahmsweise aber auch eine solche Fein- 
heit in der Abtönung kühler und gebrochener, Farben, eine solche 
Gediegenheit des breiten Vortrags im solidesten Impasto, dass jene 
geringe Zahl von ihm bekannter Bilder als ein unauflösliches Räth- 
sel erscheint. Sein schönstes, mir bekanntes, Bild ist ein, im vollen 
Sonnenlicht genommenes Mädchen, welches Milch übergiesst, in 
der Sammlung des Herrn Six in Amsterdam. Ihr Rock von 
tiefem Purpurroth, macht mit der dunkelblauen Schürze, dem grün- 
lichen Leibchen, der grünen Tischdecke, eine sehr eigenthümliche 
und überraschende Harmonie. Der nächste Preis möchte einem 
jungen Mädchen in der Dresdener Gallerie, N0. 1484, gebühren, 
welches, im Profil gesehen, am offenen Fenster stehend, einen 
Brief liest, dort aber für Pieter de Iloogh gilt. 2 Die Naivctät des 
Gefühls steht hier mit der sicheren Meisterschaft auf gleicher Höhe. 
Auch ein Bild von ganz ähnlichem Gegenstand in der Sammlung 
van der Hoop, wo das Mädchen blass und in Blau gekleidet, ist 
ein Wunder von Feinheit in Durchführung der kühlen Harmonie. 
1 Herr Burger hat in dem angef. Werk II. S. 70 ff. sich das Verdienst er- 
worben, nicht allein noch mehrere Bilder dieses van der Meer, sondern auch die 
Erwähnung von mehr als 20 in älteren Auctionskatalogen nachzuweisen.  
2 Neuerdings habgn sich die Anfangsbuchstaben des Jan van der Meer auf dem 
Bilde gefunden.
        

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