Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1259701
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1261000
98 
Buch. 
Kapitel. 
sehlichtet, während die Frau, das Lesen in einem grossen Buche 
unterbrechend, die Decke von der, im Vorgrunde stehenden Wiege, 
worin das Kind schläft, abhebt, für die eines holländischen Zimmer- 
manns halten. Das Gefühl des stillen Glücks in engster Häuslich- 
keit, welches durch die Tiefe und Kraft des warmen Helldunkels, 
wie selbst Rembrandt es nur selten hervorgebracht, noch erhöht 
wird, übt indess hier einen eigenthümlichen Zauber aus. Hiezu 
kommt die grösste Meisterschaft des Vortrags, das trefflichste Im- 
pasto. In der Zusammenstellung der Farben, worin die glühend 
rothe Wiegendecke eine wichtige Rolle spielt, erkennt man hier 
deutlich das Vorbild des Nicolaus Maes, eines Schülers von Rem- 
brandt. Als Beispiele von seiner Auffassung aus dem Leben der 
Patriarchen, worin uns das Element der Gemüthlichkeit besonders 
wohlthuend entgegentritt, führe ich seine Familie des Tobias, welche 
den entschwebenden Engel verehrt, vom Jahr 1637 im Louvre, 
N0. 404, und das grosse Bild des Jacob, welcher die Söhne Jo- 
sephs segnet, in der, nach so grossen Verlusten von Bildern des 
Rembrandt, noch immer für ihn höchst wichtigen Gallerie in Cass el, 
N0. 367, vom Jahr 1656 an. Zugleich liefert dieses, mit der, ihm 
in dieser Zeit eigenen, sehr grossen Breite behandelte Bild, den 
Beweis, dass jenes schwere, grade in dieses Jahr fallende, Un- 
glück deslVerkaufs seiner Sammlungen, auf seine Kunstproduction 
auch nicht einmal auf frischer That einigen Einfluss aus- 
geübt hat. Nur in seltnen Fällen verfällt er in der Darstellung 
biblischer Gegenstände in das Widrige und Gemeine. So in dem 
grossen Bilde des Simson, welchem die Augen ausgestochen werden, 
in der Sammlung des Grafen Schönborn zu Wien. Wenn Rem- 
brandt auf solche Weise die historischen Gegenstände der Bibel 
ganz in den Formen des ihn umgebenden Lebens behandelte, 
so versteht es sich von selbst, dass er ein gleiches Verfahren 
bei der Darstellung von Parabeln beobachtete. Das schönste 
dieser Art vorhandene Bild ist der barmherzige Samariter, welcher 
den Zersehlagenen dem Wirth empfiehlt, vom Jahr 1648, No. 405,. 
im L0uvre.1 Diesem schliesst sich würdig ein in der Eremitage 
zu St. P eterßburg befindliches, Bild aus der Parabel vom Wein- 
garten des Herrn vom Jahr 1637 an, wo sich die Arbeiter bei 
dem Haushalter beschweren. Die Hauptliguren dieser Composi- 
Kunstwerke und Künstler in Paris S. 
585.
        

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