Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1259701
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1260989
96 
Buch. 
Kapitel. 
hässlich sind, so tritt uns darausidoch eine Schlichtheit, Wahrheit 
und lnnigkeit des Gefühls entgegen, welche den Gegenständen 
durchaus entspricht, und worin zuerst Kolloif und nach ihm Guhl 
richtig den biblischen Geist der evangelischen Kirche nachgewiesen 
haben. Sicher hat keine andere der gleichzeitig blühenden Maler- 
schulen, weder die von Rubens, noch die der Carracci, oder die 
spanische und französische, den geistigen Gehalt rein biblischer 
Gegenstände in solcher Treue wiedergegeben, als er. Hier kommt 
denn auch das oben hervorgehobene Element des Gemüthlichen, 
und sein Talent für Composition auf das Glücklichste zur Geltung. 
Besonders ausgezeichnete Bilder dieser Art sind: Die auch von 
ihm radirte, Abnahme vom Kreuz von 1633 in der Gallerie zu 
München, N0. 257 Cabinette. In den feinen Fleischtönen dieser 
schönen Colnposition rechtfertigt sich die Benennung des holländi- 
schen Correggio, welche ich, in Bezug auf das Helldunkel, 
dem Rembrandt schon früher gegeben habe. 1 Der Künstler selbst 
scheint von dieser Composition besonders befriedigt gewesen zu 
sein, denn er hat sie mit einigen Veränderungen etwas später in 
einem grösseren Maassstabe noch einmal wiederholt. Dieses früher 
in der Gallerie zu Cassel, jetzt in der Eremitage zu St. Peters- 
burg beiindliche Bild übertrifft das vorige noch an Tiefe und Gluth 
des goldigen Helldunkels und an Ausbildung des Einzelnen. Na- 
mentlich ist der Ausdruck in der ohnmächtigen Maria wunderbar 
ergreifend. Es ist eines der Hauptwerke des grossen Meisters. 
Unter den kleineren nehmen eine ähnliche Stelle ein: das, ebenda be- 
iindliche, Bild aus der Parabel vom Weingarten des Herrn. Christus 
und Magdalena nach der Auferstehung, vom Jahr 11538 im Bucking- 
hampalaee in London. 2 Die Heimsuchung, von 1640, in der 
Grosyenorgallerie ebendaß Die heilige Familie im Louvre, N0. 410, 
vom Jahr 1642,41 vor allen aber die Ehebrecherin vor Christus, 
vom Jahr 1644, N0. 45, in der Nationalgallerie zu London, in 
Welchem eine ergreifende Wahrheit und Tiefe des Gefühls mit 
allen sonst Rembrandt eigenen, trefflichen Eigenschaften in ihrem 
höchsten Grade vereinigt sindß Von gleicher Trefflichkeit im Gefühl 
ist die, grau in grau, ausgeführte Abnahme vom Kreuz ebenda, No.43. 
Das, mit 1645 bezeichnete, Hauptbild seiner Art der Auffassung 
 
1 S. Kunstwerke und Künstler in Paris S. 582.  2 S. Kunstwerke und Künstler 
in Englafd Th. II. S. 159 f.  ß Ebenda S. 117.  4 S. Kunstwerke und Künstler 
in Paris S. 584.  ü S. Kunstwerke und Künstler in England Th. l. S. 221.
        

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