Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1259701
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1260966
94 
Buch. 
Kapitel. 
Gefühls für das Phantastische, welches, wie wir gesehen, in frü- 
heren Zeiten so viele Gebilde der Kunst hervorgerufen hat. Mit 
Feinheit bemerkt Kolloff, dass eine ähnliche Art der Auffassung 
schon bei Elzheimer vorhanden ist, und derselberdurch Peter Last- 
man, seinem Schüler, der ihm hierin verwandt war, auf Rembrandt 
eingewirkt habe. Aber auch die düstere Poesie der nordischen 
Natur mit gewaltigen Massen schwarzer Regenwolken, deren Schatten 
weite Flächen und stille Wasser verdunkeln, welche nur von einem 
einzelnen Sonnenstrahl augenblicklich erhellt werden, oder den 
glühenden Scheideblick der sinkenden, über die einfachen Formen 
der Natur seines Vaterlaudes hinstreifenden Sonne, weiss er in 
seinen Landschaften mit der ergreifendsten Wahrheit zu schildern. 
Wenn nun, bei einem so beschaffenen Kunstnaturell alle Bilder 
des Rembrandt durch die malerische Wirkung, die Wärme, Kraft 
und Klarheit der Färbung, die Meisterschaft 41er Behandlung, mehr 
oder minder ansprechen, so versteht es sich von selbst, dass sie in 
den sonstigen Beziehungen befriedigen, oder abstossen müssen, 
nachdem sie durch ihren (Fregenstand, seinen übrigen Eigenschaften 
zusagen, oder widerstreben. Bevor wir indcss von der grossen 
Menge seiner Werke eine massige Zahl nach diesem Gesichtspunkt 
in nähere Betrachtung ziehen, bemerke ich, dass sich unter ihnen 
selbst in jenen Eigenschaften, wodurch sie alle ansprechen, in der 
Beleuchtung, in der Färbung und der Behandlung, namentlich nach 
der Zeit, in welcher sie gemalt worden, ein wesentlicher Unter- 
schied vorfindet. In den meisten Bildern bis zum J ahr 1633 herrscht 
in den Massen ein helles Tageslicht vor, die Färbung des Fleisches 
ist warm und klar, aber noch naturwahr, der Vortrag zwar schon 
meisterlich und frei, doch sehr fleissig und, bis auf einen gewissen 
Grad, verschmolzen. Das Hauptwerk in dieser Weise ist das be- 
rühmte, ursprünglich für die anatomische Anstalt zu Amsterdam 
ausgeführte, jetzt im Museum im Haag befindliche, Gemälde, vom 
Jahr 1632, wo der Professor Tulp einen Vortrag über Anßtwnie 
hält. Die Wahrheit in allen Theilen, besonders in den Köpfen, 
die grosse Discretion in der Behandlung eines solchen Gegenstandes, 
endlich die ausserordentliche Feinheit der Luftperspektive in dem 
verkürzten Leichnam, sind hier vor allem hervorzuheben. Vom 
Jahr 1633 an wählte er vorzugsweise jene geschlossene Beleucl1- 
tung, in welcher breite, aber klare Schattenmassen einen schla- 
genden Gegensatz zu einemrscharf einfallenden, nur einzelne Theile
        

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