Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1259701
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1260929
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Buch. 
Kapitel. 
Tode dieser Frau im Jahr 1642, ist offenbar die glücklichste Zeit 
des Künstlers gewesen. Er erhielt viele Aufträge, zum Theil von 
den angesehnsten Personen. So malte er schon im Jahr 1638 für 
den Prinzen Friedrich Heinrich von Oranien eine Grablegung und 
Auferstehung Christi, für den bekannten Bürgermeister Six, einen 
seiner wärmsten Gönner, die Ehebrecherin vor Christus, und andere 
Bilder, und kam ausserdem mit so bedeutenden Schriftstellern, als 
Jeremias de Decker und Konstantin Huygens, so wie mit einigen 
angesehenen Predigern in gesellige Beziehungen. Dessungeachtct 
war ihm der Umgang mit einfachen Leuten aus den niederen Klas- 
sen, nach dem Zeugnisse seines Zeitgenossen Sandrart, immer der 
liebste und er verdarb viel Zeit damit, was besonders nach dem 
Tode der ersten Frau der Fall gewesen sein mag. Obwohl es ihm 
auch fortan an Bestellungen nicht fehlte, auch seine berühmten 
Radirungen, deren älteste, datirte, schon in das Jahr 1628 fällt, 
ihm einen ansehnlichen Gewinn gewähren mussten, endlich jeder 
seiner zahlreichen Schüler ihm ein Jahrgeld von 100 Gulden zahlte, 
so wurden doch gegen das Jahr 1653 seine Umstände so misslich, 
dass er genöthigt war, ansehnliche Schulden zu machen, welche 
ihn im Jahr 1656 zum Banquerott führten. Weder das Zengniss 
desselben Sandrart, dass Rembrandt zwar kein Verschwender, aber 
ein schlechter Wirth gewesen, noch der Umstand, dass, bei der 
grossen Geldnoth und der Verarmung vieler Familien, welche in 
Folge der unglücklichen Kriege mit Frankreich und England einge- 
treten war, seine Bilder ihm schlechter bezahlt w01'den sein mögen, 
würden diese Erscheinung genügend erklären. Der Hauptgrund 
derselben ist vielmehr, wie zuerst Immcrzeel ausführlich nachge- 
wiesen, in seiner Leidenschaft zum Sammeln von Kunstwerken und 
Curiositäten aller Art zu suchen, welche ihn kein Geldopfer scheuen 
liess. So soll er für ein Blättchen des Lucas van Leyden die, für 
jene Zeit sehr bedeutende, Summe von 80 Thalern bezahlt 
haben. Das Verzeichniss dieser Sammlung, welches sich noch hellt 
in Amsterdam in den Akten des Gerichtshofs für Banquerottsachen 
befindet, ist nun für Rembrandt in verschiedener Beziehung von der 
grössten Wichtigkeit. 1 Wir lernen nämlich daraus, dass, wenn er 
1 Herr C. J. Nieuwenhuys hat sich das Verdienst erworben, in seinem lehr- 
reichen Buche ,.A review of the lives and Works of some of _the most eminent 
painters etc. London Henry I-Iooper 1884" zuerst einen vollständigen Ablimßk 
dieses Verzeichnisses, so wie der sonstigen, den Banquerott des Rembrandt be-
        

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