Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1257012
Epoche von 1420 bis 1530. 
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theil gezogen hat. Während er aber nun auf der einen Seite den 
bei Meistern, wie jener Jean von Brügge, vorgefundenen Realismus 
zu einer ausserordentlichen Höhe steigert, schliesst er sich doch 
noch in sehr wesentlichen Theilen der mehr idealistischen Kunst-. 
weise der vorigen Epoche an, und bringt dieselbe, vermöge seiner" 
ungleich reicheren Mittel der Darstellung, zu einem deutlicheren, 
naturgemässeren und vermannigfaltigteren Ausdruck. Es leuchtet 
aus seinen Werken noch durchweg eine edle und höchst energische 
Begeisterung für den geistigen Gehalt seiner streng kirchlichen Auf- 
gaben hervor. Die Anordnung ist vorwaltend symmetrisch, und hält 
so noch das alte, architektonische, für Kirchenbilder zeither ge- 
bräuchliche Gesetz fest. Die neue Weise einer mehr freien, male- 
risch dramatischen Anordnung macht sich nur daneben geltend. In 
seinen Köpfen findet sich noch das Streben nach Schönheit und 
Würde, wie in der vorigen Epoche, nur mit mehr Naturwahrheit .1 
verbunden. Die Farben seiner Gewänder vereinigen mit dem reinen 
Geschmack und der Weiche derselben, eine grössere Breite. Das, 
realistische Prinzip ist bei ihnen nur in der genaueren Ausbildung  
des Einzelnen, welches eine feine Andeutung des Stolfartigen her-  
beiführt, wahrzunehmen. Nackte Figuren sind mit grösster Treue, 
bis in's Einzelnste nach der Natur studirt. Auch sonst finden sich  
unbekleidete Theile mit vieler Wahrheit wiedergegeben, besonders 
die Hände. Nur die Füsse bleiben schwach. Fast die hervorra- 
gendste Eigenschaft seiner Kunst ist aber die bis dahin unerhörte 
Kraft, Tiefe, Klarheit und Harmonie der Färbung. Um diese zu 
erreichen bediente er sich einer von ihm verbesserten Art der Oel- 
malerei, welche zwar schon seit langer Zeit und sehr häuiig, aber 
in wenig ausgebildeter Form und fast nur zu untergeordneten Zwecken 
in Anwendung gekommen war. Nach den neuesten und gründlich- 
sten Untersuchungen 1 bestanden die von ihm in Anwendung ge- 
brachten Vortheile, zu denen er ohne Zweifel selbst erst sehr all- 
mälig gelangt war, vornehmlich aus folgenden Stücken. Zuvörderst 
beseitigte er ein Haupthinderniss für die bisherige Anwendung der 
Oelmalerei für eigentliche Gemälde. Um das langsame Trocknen! 
der Oelfarben zu beschleunigen, war es schon nach früherer Erfah- 
rung erforderlich, ihnen etwas Firniss zuzusetzen, welcher aus mit 
einem Harz gekochten Oel bestand. Wegen der zu dunklen Farbe 
1 Sir Charles Eastlnke. 
Longman Cap. VIII. -XI. 
of oilpaintiug. 
for a history 
Materials 
London 1847.
        

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