Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1256835
Epoche von 1350 
bis 1420. 
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Ausdruck in den Köpfen ist lebendig, die Fleischfarbe ziemlich 
schwach und die Modellirung gering. Der Grund ist golden mit 
einem Muster. 
Das zweite, welches ebenfalls eine Kreuzigung, jedoch nur mit 
Maria und Johannes und dem knieenden Bildniss des Archidiaconus 
Heinrich van Rye von der Johanniskirche zu Utrecht, vorstellt, wel- 
cher 1363 gestorben, und dem zu Ehren das Bild an seiner Grab- 
stätte in jener Kirche gestiftet werden, befindet sich jetzt im Museum 
zu Antwerpen. Der Christus ist ähnlich, wie in dem vorigen Bilde 
aufgefasst, doch ist der Künstler minder geschickt, wie denn auch 
in dem Bildniss noch keine Individualität angedeutet ist. Ambesten 
ist in Geberde und Ausdruck der Trauer noch Johannes gelungen. 
Auch hier findet sich der gemusterte Goldgrund. 
Das dritte und bedeutendste Denkmal sind die Bilder auf den 
Aussenseiten der Flügel eines grossen Altarschreines im Museum zu 
D i j on, welchen der schon vorher erwähnte Herzog Philipp der Kühne 
zwischen den Jahren 1392 und 1400 für die von ihm erbaute Gar- 
thause zu Dijon hat ausführen lassen. Sie rühren wahrscheinlich 
von dem, als sein Maler bekannten Melchior Broederlam 
her, und stellen die Verkündigung, die Heimsuchung, die Darstellung 
im Tempel und die Flucht nach Aegypten dar. Sie stehen schon 
auf der Grenze der Kunstweise dieser Epoche und der realistischen 
der nächstfolgenden. Die Formen der Köpfe sind zwar noch rund- 
lich und weich, und bisweilen, wie in den Köpfen der Maria und 
des Simeon, auf der Darstellung, dem gelungensten Bilde, von einem 
feinen Schönheitsgefühl, doch sind letztere zugleich schon indivi- 
duell, ja in dem Joseph auf der Flucht herrscht selbst ein sehr der- 
ber Realismus. Die Gewänder haben zwar noch durchaus jene 
weichen Falten, die Farben sind indess von einer Helligkeit und 
Kraft, welche an Buntheit grenzt. In den völligen Formen gewahrt 
man noch kein Naturstudium, ebenso sind die Hintergründe, Felsen, 
Bäume noch von conventioneller Form, die Lüfte golden. 
In Deutschland ist die Kunstweise dieser Epoche am frühsten 
in Böhmen, welches schon in der vorigen sich so sehr auszeichnet, 
unter der Regierung des kunstliebenden Kaisers Karl IV. (reg. 1346 
bis 1378), welcher Alles aufbot, um sein geliebtes Böhmen in jeder 
Beziehung empor zu bringen, zur völligen Ausbildung gelangt. Mehr 
noch als eine Anzahl meist sehr verdorbener Wand- und Tafelmale- 
reien legen viele in Manuscripten vorhandene Miniaturen hieven ein
        

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