Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1256705
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Buch. 
Kapitel. 
durch die Grösse, als durch die entschiedenen Motive macht das 
Bild eine namhafte Wirkung. Doch ist die Behandlung flüchtig, 
die Füsse und Hände sehr schwach. Zu den Seiten dieses Bildes 
befinden sich, nur in Umrissen, der nach Christus deutende Johannes 
der Täufer mit dem Lamm, und der heilige Christoph mit dem Kinde. 
Obwohl im nördlichen Deutschland in der Malerei ein gewisser 
Einfluss aus den Niederlanden wahrnehmbar ist, so findet man doch 
schon hier, noch mehr aber im südlichen Deutschland die Formen 
plumper, die Umrisse derber und gröber. So sind auch die Köpfe 
meist zu dick und stellen sich schon früh jene kurzen Nasen ein. 
Ein Beispiel jenes Einflusses von den Niederlanden aus gewährt 
das Manuscript eines Psalteriums in der Ambraser Sammlung zu 
Wien, welches wahrscheinlich in einem Nonnenkloster in West- 
phalen nicht lange nach dem Jahr 1300 angefertigt worden ist. 
Es enthält in 84 Runden ebensoviele Bilder von Erschaifung der 
Welt bis zum jüngsten Gericht, deren Umrisse zwar mager, aber 
in seltner Präcision mit der Feder gezeichnet sind. 
In Köln befinden sich im Chor des Doms auf der Umfassungs- 
mauer der Chorstühle eine Anzahl von Wandgemälden, von denen 
die auf der Evangelienseite Vorgänge aus dem Leben des heiligen 
Petrus und des Pabstes Sylvester, die auf der Epistelseite aus dem 
Leben der Maria und aus der Legende der heiligen drei Könige 
darstellen. Die Proportionen sind gut, die Motive sprechend und 
lebendig, die Gewänder von gutem Geschmack, die Köpfe aber 
noch sehr typisch und von wenig Ausdruck. Die Stufe der Ausbil- 
dung mit dicken, röthlichen Umrissen und sehr weniger Angabe von 
Schatten ist sehr gering. Da diese Bilder wohl ohne Zweifel zur 
Einweihung des Chors im Jahr 1322 fertig gewesen sind, und man 
für den Chor, als den heiligsten Raum der Kathedrale, ohne Zweifel 
die besten Maler gewählt haben wird, lässt sich daraus auf den 
damaligen Zustand der Malerei in Köln, einem der Hauptmittel- 
punkte Deutschlands, kein günstiger Schluss ziehen. Allerlei klei- 
nere scherzhafte Darstellungen unter diesen Bildern sind zwar 
manierirt, und in der Ausführung roh, doch geistreich in der Er- 
findung. Ebensowenig legen zwei Staffeleibilder im städtischen 
Museum zu Köln, ein kleiner Altar mit einer Kreuzigung, und 
die Apostel Paulus und Johannes, für diese Gattung von Malerei 
ein günstiges Zeugniss ab. 
 In Niedersachsen kenne ich aus dieser Epoche nur ein Ante-
        

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