Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1256648
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Buch. 
Kapitc 
hundert zurückreichenß war sie in Deutschland und den Nieder- 
landen allerdings nicht blos zu schönen Mustern im romanischen 
Geschmack, sondern sogar zur Darstellung einzelner, menschlicher 
Figuren fortgeschritten. Bei der Unbehülflichkeit der Technik, 
wonach die einzelnen Glasstücke durch eine grobe Fassung von 
Blei zusammengesetzt wurden, war indess eine höhere künstlerische 
Ausbildung unmöglich, und behielt diese Kunst ihren ursprünglichen 
Charakter eines architektonischen Ornaments. Diesen Eindruck 
machen denn auch die einzelnen Heiligen in den südlichen Fen- 
stern des Mittelschiffs des Doms zu Augsburg, welche übrigens in 
Form und Farbe mit den Miniaturengegen 1200 übereinstimmen. 
Wie die nicht zahlreichen, noch vorhandenen Manuseripte mit 
Miniaturen beweisen, stimmt die Art der Malerei in den Nieder- 
landen auch in dieser Epoche wesentlich mit der in Deutschland 
üblichen überein, jedoch,ist der Einlluss byzantinischer Malerei 
hier noch mehr vorherrschend, worauf in der ersten Hälfte des 
13. Jahrhunderts ohne Zweifel der Umstand eingewirkt hat, dass 
es Grafen von Flandern waren, welche den Thron zu Konstanti- 
nopel während des sogenannten lateinischen Kaiserthums einnahmen. 
Sowohl in der Freiheit bei der Belebung altbyzantinischer Motive, 
als in der Zeichnung und der technischen Ausbildung stehen ver- 
schiedene derselben auf einer ungemcinen Höhe. Beispiele hievon 
sind: Ein Missale im britischen Museum (Addit. N0. 16949), wohl 
zwischen 1150 und 1200 geschrieben. Hier ist indess vornehmlich 
das technische Geschick und die Schönheit der Farben bemerkens- 
werth. 2 Ein Psalterium in der königl. Bibliothek im Haag. Ein 
sehr reiches, besonders wegen der aus dem Leben genommenen 
Darstellungen in dem Kalender und der ausserordentlichen Schön- 
heit der romanischen Verzierungen wichtiges Manuscript, welches 
sicher ungefähr derselben Zeit angehört. 
Das "ßmir bekannte Hauptdenkmal ist indess ein Psalter in der 
kaiserlichen Bibliothek zu Paris (Supplem. franeais N0. 1732 bis), 
etwa um 1200 geschrieben. In den zahlreichen Bildern, von be- 
wunderungswürdiger Ausführung, finden sich neben dem Festhalten 
hyzantiniseher Motive, z. B. auf einem Blatt mit Christus, Maria, 
 
1 S. den Brief des Abtes Gozpert von Tegernsee (983-1001) an einen Grafen 
Arnold, worin er ihm dankt, dass er die Fenster der Klosterkirche mit buntgemal- 
ten Scheiben (discolorum picturarum vitra) habe versehen lassen.  2 Näheres (im- 
über in meinen Treasures of art in Great Britain. I. S. 122.
        

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