Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1256574
Byzantiniscb-romsnische Epoche. 
27 
Schatten und Lichtern. Es ist nicht wahrscheinlich, dass die ver- 
loren gegangenen, deren Zahl sehr gross sein muss, da. neuere 
Forschungen bewiesen haben, dass selbst viele Dorfkirchen sehr 
reich mit dergleichen ausgeschmückt gewesen sind, 1 und von 
deren dereinstiger Existenz viele Nachrichten Zeugniss geben, 2 
von anderer Art gewesen sein möchten. Viele von ihnen sind in 
einem sehr verdorbenen Zustande, oder auch durch ungeschickte 
Restaurationen ihres ursprünglichen Charakters beraubt. Manche 
befinden sich auch an ziemlich abgelegenen Orten. Ich kann hier 
nur die bedeutendsten hervorheben. 
Die '24 Deckeufelder der ehemaligen Abtei Brauweiler, drei 
Stunden von Köln nach Bonn zu, welche gegen das Jahr 1'200 
ausgeführt sein möchten, enthalten in Bildern die Lehre von der 
Kraft des Glaubens zur Ueberwindung der Welt nach einer Stelle- 
im 11. Kapitel des Briefes an die Hebräerß Die geistige Mitte- 
des Ganzen bildet das kolossale Brustbild Christi. Auf den andern 
Feldern befinden sich Solche, welche durch den Glauben gesiegt, 
Verheissungen erlangt, wie Magdalena und der gute Schächer, für 
den Glauben gelitten, wie Daniel und die heilige Thecla, für den 
Glauben gestritten, wie Simson, welcher sich , so wie der heilige 
Hippolyt, besonders durch die Schönheit des Motivs auszeichnen. 
Dass in Köln selbst die Malerei bald nach Anfang des 13. Jahr- 
hunderts in hoher Blüthe stand, geht aus der schon so oft ange- 
führten Stelle des um diese Zeit verfassten Gedichts des ?arcival 
von Wolfram von Eschenbach hervor, dass kein Maler von Köln 
oder Mastricht den Ritter besser habe malen können, als dieser zu 
Rosse ausgesehen habe. 4 Die Ueberreste , welche von dieser 
Blüthe Kunde geben, sind indess äusserst dürftig. Dahin gehören 
vor Allem die Malereien in der Taufkapelle von St. Gereon. Von 
den Heiligen Laurentius und Stephan sind nur Fragmente vorhan- 
den. liin sitzender Engel, so wie die Heiligen Katharina und 
1 J. W. Lübke, die rnittelalterl. Kunst in Westphalen. Leipzig T. 0. Weigel. 
I. Band in S. mit einem Atlas. S. 333 f.  9 S. über die Malereien im Kloster zu 
Benedictbeuren in Baiern Fiorillo. Gesch. der bild. Künste in Deutschland. Bd. I. 
S. 178 f. Auch die Bischöfe Burkard von Halberstadt. Otto von Bamberg, Utfo 
von Merseburg, liessen in ihren Kirchen Malereien ausführen. Vergl. Hctho, die- 
Malerschule Huberts van Eyk. Bd. I. S. 42.  3 Ich folge hier der scharfsinnigen 
Erklärung von A. Rcichenspcrger im 11. Bande der Jahresbücher der rheinischen 
Alterthumsfreunde. 1847.  4 Im Original lautet die Stelle:  
„Als uns die aventiure gicht 
Von Chölne noch von Mastricht, 
Dahein schiltere entwurf en bnz 
Denn als er ufem orse saz."
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.