Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1256498
Byzantinisch-romanische Epoche. 
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Moses, der andere Christus darstellt, begabt. Eine andere Form 
dieser Belehrung durch die Anschauung spricht sich darin aus, dass 
sich nicht nur jeder Vorgang des Lebens Christi, sondern selbst jede 
Einzelheit seiner Parabeln abgebildet findet. So sind bei der be- 
kannten Parabel von den Einladungen zum Gastmahle die verschie- 
denen Entschuldigungen der Geladenen dargestellt, der eine zeigt 
auf den Meyerhof, welchen er gekauft, der andere auf die fünf Joch 
Ochsen, die, wohlgezählt, dastehen, der dritte auf das Weib, so er 
genommen. Viele der biblischen Gegenstände sind nach der alten 
Tradition von grosser Würde, und die Köpfe Christi, Johannes des 
Tiiufers, der Apostel Petrus und Paulus, nach dem Typus der alt- 
christlichen Bilder genommen. Für die Frauen und jüngeren Män- 
ner ist ein Typus von nicht ungefälligem Ansehen vorhanden. Aus- 
druck ist in den Gesichtern in der Regel nicht zu finden. Nur sehr 
heftige Aifecte sind nothdürftig ausgedrückt, wie das Klagen der 
thörichten Jungfrauen durch herabgezogene Mundwinkel, heraufge- 
zogene Augen. Von geistigen Eigenschaften ist Bosheit durch Grin- 
sen wiedergegeben. Unter den zahlreichen, der Zeit angehörigen 
Erfindungen sind manche recht glücklich, z. B. die reichgeschmückt 
und den Speer schwingend auf einem Rosse einhcrsprengende Su- 
perbia. Dieses, wie die sonst vorkommenden Pferde sind indess 
sehr plump und mangelhaft. Wie schwach auch die Zeichnung, so 
sind doch die Intentionen sehr deutlich. Diese arten indess bei der 
Darstellung von Kämpfen in das Ungeschlachte aus. Merkwürdiger 
Weise haben sich hier in so später Zeit bei der Darstellung von 
Naturgegenständen und geistigen Eigenschaften noch die antiken 
Personificationen erhalten. So sehen wir bei der Taufe Christi noch 
den Jordan als Flussgott, und wird bei der Schöpfungsgeschichte 
Luft und Viiasser durch Aeolus und Neptun, Tag und Nacht durch 
zwei weibliche Gestalten ausgedrückt, von denen die letztere sogar 
noch, wie in altbyzantinischen Miniaturen, den über dem Haupte im 
Halbzirkel flatternden Schleier hat. Eins der merkwürdigsten Bilder ist 
das letzte, sich auf die Stiftung des Klosters beziehende, wo Christus, 
Maria und Petrus einen goldnen Stab anfassen, welcher ihnen (Ion 
dem knieenden Herzog Eticho, der dadurch die Stiftung des Klo- 
sters als Morgengabe macht, dargebracht wird. Die Bildnisse der 
Herrad und ihrer 60 Nonnen zeigen noch keine Spur von Individua- 
lisirung. Die Farben sind kräftig, die Behandlung in Dpckfarben 
genau und sorgfältig.
        

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