Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1256449
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wichtigsten llrlanuseripte aus dieser Zeit. Die Verzierungen der Rän- 
der und Initialen zeigen noch sehr die Kunstweise des 11. Jahrhun- 
derts. Ich kann hier von den zahlreichen Bildern nur einige in 
etwas nähere Betrachtung ziehen. Auf Bl. 2 a. ist in der Mitte in 
einem Rund Maria mit dem Kinde dargestellt, welches die unten 
knieende, das Buch darreichende Aebtissin des Klosters nach dem 
Ritus der römischen Kirche segnet. Ihr Kopf zeigt keine Spur von 
Individualität. Ausserdem noch andere Verehrende. Das nächste 
Bild (B1. 3 a.) stellt in der Auffassungsart der Zeit den Triumph 
des Lebens und den Sieg über den Tod durch den Kreuzestod 
Christi dar. In der Mitte der Heiland im Mosaikentypus mit län- 
gerem Bart als gewöhnlich und von langem Verhältniss, an einem 
grossen goldnen Kreuz mit einem Purpurrock bekleidet. Rechts 
davon "Vita" als-eine Frau im hellblauen Rock und Rosamantel 
emporsehauend und die Hände noch nach der antiken Weise empor- 
streckend, links „Mors" als bleicher Mann mit struppigem Haar, in 
gekrümmter Stellung, in den Händen eine goldne Sichel und Lanze, 
welche beide zerbrochen, das Gesicht halb verhüllt, und von einem 
Drachenkopf, ,worin ein vom Kreuz ausgehender Zweig endet, in 
einen Arm gebissen. Oben Sonne und Mond als zwei halbe Figuren 
im Begriff sich zu verhüllen. In zwei Halbkreisen, welche an den 
Seiten des Bildes ausgeladen sind, rechts das neue Testament, eine 
weibliche, gekrönte Gestalt mit der Siegesfahne und dem Kelch 
des Abendmahls, links das alte Testament, ein Mann, welcher das 
Gesicht in- der Einfassung des Bildes verbirgt, in den Händen 
Opfermesser und Gesetzesrolle. Unten verschiedene, bei dem Tode 
Christi aus den Gräbern erstandene Heilige, links der Tempel 
Salomds, an welchem der Vorhang zerreisst. Dieser folgt noch 
eine andere Vorstellung von symbolisch-allegorischem Inhalt. Bei 
den vier Evangelisten ist ausser ihren gewöhnlichen Symbolen über 
ihren Häuptern, unter ihnen je einer der vier Paradiesesiiüsse, noch 
in der antiken menschlichen Form wahrzunehmen. Nur zwei rothe 
Hörner sind ein späterer Zusatz, ebenso wie das Motiv, dass Q8011 
bei dem Matthäus sein Gefäss über eine blühende Piianze ausgiesst. 
Sehr merkwürdig ist noch die Seite, worauf die Geburt Christi. In 
dem quadraten Felde einer Ecke sieht man den Kaiser Augustus 
in kurzer blauer Tunica, Purpurmantel und flachen goldnen Reifen 
als Krone, wie er einem jungen Schreiber das Edikt wegen der 
Schatzung diktirt, welches Veranlassung der Wanderung von Maria
        

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