Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1256437
Altchristlich-byzantinisehe Epoche. 
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eigenthümlichen Kunstweise im Gegensatze der immer mechanischer 
werdenden Nachahmung der antiken Vorbilder. Ein Evangeliarium 
der Kirche St. Jaques zu Lüttich, jetzt in der Bibliothek der alten 
Herzöge von Burgund (N0. 18383) zu Brüssel, welches dem 10. 
Jahrhundert angehört, ist ungleich reicher und von ungleich sorg- 
fältigerer, durchweg in Guasch in lichten, harmonischen Farben 
ausgeführter Malerei. Ein an derselben Stelle befindliches Evan- 
gelistarium (N0. 9428) etwa aus dem Anfang des 1]. Jahrhunderts, 
ist noch um Vieles reicher und wichtiger. Die Bilder stimmen in 
der Kunstform und dem Typus der Köpfe sehr nahe mit dem Evan- 
gelistarium des Bischofs Egbert von Trier überein, nur dass sie 
roher sind. Der viclettliche, kühle Fleischton, so wie die ganze 
lichte und harmonische Farbenstimmung, hat eine auffallende Ver- 
wandtschaft zu den für Kaiser Heinrich II. in Bamberg ausgeführten 
Miniaturen und beweist, wie weit diese Weise in jener Zeit ver- 
breitet war. 
Nach der Mitte des 11. Jahrhunderts tritt in Deutschland, wahr- 
scheinlich in Folge der grossen Zerrüttungen unter der langen 
Regierung Kaiser Heinrich IV., ein Stillstand in der Malerei ein. 
Neben der Kunstweise der vorigen Epoche mit den deckenden 
Leimfarben von lichtem Gesammtton, worin sich mehr oder minder 
der Einiiuss byzantinischer Kunst geltend macht, bleibt auch die 
von jenem Einfluss mehr unabhängige der blossen Umrisse, mit 
meist sehr flüchtiger Illuminirung, in Ausübung. Doch während das 
Verständniss der antiken Vorbilder immer mehr verloren geht, ge- 
langt der Ausdruck eigenthilmlichcr Geistesart noch nicht zur Aus- 
bildung. Ausser den einzelnen Gestalten Christi, der Maria und 
der Heiligen kommen auch Vorgänge aus der heiligen Schrift, und 
jene Vorstellungen symbolischen Inhalts vor, welche für den Geist 
des Mittelalters so charakteristisch sind. Schon zu Anfang des 
12. Jahrhunderts zeigt sich indess in einzelnen Fällen ein mässiger 
Fortschritt, welcher bis gegen die Mitte desselben anhält. Ich be- 
gnüge mich, hiefür nur einige Beispiele anzuführen. Ein Evange- 
liarium aus dem Kloster Altaich bei Straubing in Baiern, in der 
Bibliothek zu München, worin sich besonders der segnende Christus 
und der heilige Marcus auszeichnen, und das ganze Machwerk sehr 
sauber ist. Ein anderes, ebendaselbst befindliches Evangeliarium aus 
dem Kloster Niedermünster in Regensburg, ist in jedemBetracht 
eins der reichsten, und wegen der darin enthaltenen Vorstellungen
        

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