Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1256415
Altchrisdich-byzantinische Epoche. 
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zu Gotha. Sowohl durch die grosse Zahl und den WVerth der 
Bilder, mit Ausnahme von einigen, welche mehr als ein anderes, 
mir bekanntes Denkmal deutscher Malerei aus dieser Zeit, der 
oben eharakterisirten, wenig ansprechenden, französischen Kunst- 
weise des 9. Jahrhunderts folgen, als durch den Reiehthum im 
Schmuck der Canones und Initialen, ein Denkmal ersten Ranges. 1 
Drei Evangeliarien im Domschatz zu Hildesheim, deren Miniaturen, 
welche in der Kunstweise durchaus mit dem Bamberger stimmen, 
nu1' dass sie etwas roher in der Ausführung sind, wohl gewiss von 
dem als Künstler berühmten Bischof von Hildesheim Bernward dem 
heiligen (reg. von 993 --1022) ausgeführt worden sind. 
Für die Malerei in Westphalen geben zwei Evangeliarien der 
Dombibliothek zu Trier Zeugniss. Das eine (N0. 139), wohl nicht 
später als 950, zeigt in den Figuren in Verhältniss zu den süd- 
deutschen und rheinischen Miniaturen dieser Zeit, eine grosse 
Schwäche, in den Initialen und Verzierungen der Canones (lagegen 
ein grosses Geschick. Das andere, auf dessen Einband eine Sculptur 
in Elfenbein aus dem 10. und Emaillen aus dem 12 Jahrhuhdert, 
dessen liliniaturen aber um das Jahr 1000 fallen dürften, ist von 
ungleich grösserem Kunstwerth. 
Für den Zustand der Malerei in der Rheingegend gibt endlich 
das für den Bischof Egbert von Trier (reg. von 978-993) ge- 
schriebene, auf der dortigen Stadtbibliothek befindliche Evangelista- 
rium eine sehr günstige Vorstellung. Die 57, darin enthaltenen 
grossen Bilder, worin sich sechs verschiedene Hände unterscheiden 
lassen, sind theilweise sehr glücklich eomponirt, und verrathcn in 
der Mehrzahl in den Motiven, in dem guten Geschmack der Ge- 
wänder, wie in den lichten Farben ein erfolgreiches Festhalten an 
antike Tradition. Eine Probe hieven gewährt die Geburt Christi 
(Fig. 1). Nur in einer mässigen Zahl gewahrt man entschieden die 
Nachahmung byzantinischer Vorbilder. 
Dass im 11. Jahrhundert auch in Böhmen die Malerei in ähn- 
licher Weise ausgeübt werden ist, beweisen die Miniaturen in 
einem auf der Universitätsbibliothek zu Prag befindlichen Evange- 
liarium von höchst prachtvoller Ausstattung. Manche Abweichungen 
von der Tradition, z. B. (lass bei der Taufe Christi der Jordan als 
 
1 Rathgeber, Beschfeibuxlg des Herzog]. 
ren Kunst. S. 9 H. 
Museums zu Gotha. 
Section der neue-
        

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