Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1256401
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Bucl 
rechter Stellung (largestellt. Eigenthümlich ist, dass er zwar mit 
vier Nägeln befestigt ist, das Fussbrett aber fehlt, sowie, dass er 
mit einem purpurnen, die Schächcr mit blauen Röcken beklei- 
det sind. 
Endlich führe ich noch ein von demselben Kaiser einer Kirche, 
wahrscheinlich auch dem Dom zu Bamberg, geschenktes Evangelista- 
rium in Gross-Folio (Schublade B. Nro. 2 der Münchner Bibliothek) 
an, dessen grosse, aber rohe Bilder öfter geringere WViederhoIungen 
der Vorstellungen in dem vorher besprochenen Manuscript S. B. 
N0. 4 sind, wegen der, aus so früher Zeit nur selten auf uns gekom- 
menen Darstellung des jüngsten Gerichts. Auf einer Seite (B1. 201 b) 
sieht man vier auf Kuhhörnern posaunende Engel, und in den Ecken 
vier blasende Winde von blauer Farbe und mit Hörnern. Unten 
dreizehn Auferstehende von grünlicher Farbe. Auf der Seite gegen- 
über (202 a.) weicht der thronende Christus in so'fern von der 
gewöhnlichen Darstellung ab, als er ein grosses Kreuz, als Symbol 
der Erlösung vor sich hält und sein Angesicht roth gefärbt ist. 
Auch fehlen hier Maria und Johannes der Täufer, welche sich ge- 
wöhnlich zu den Seiten Christi befinden. Mir neu ist_ebenso das 
Motiv, dass sich unten zwei Engel mit Spruchzetteln beiinden, deren 
einer den Beseeligten, der andere den Verdammten zugewendet ist, 
offenbar in der Meinung, beiden das ihnen gewordene Urtheil zu 
verkündigen. Diese sind nun, dem kleinen Raum angemessen, auf 
eine kleine Zahl beschränkt. Unter den fünf Beseeligten beiindet 
sich ein Geistlicher und ein Fürst. Von den Verdammten reisst ein 
Teufel einen Fürsten an einer Kette in den Abgrund, woraus Flam- 
men schlagen und in dem der Hauptteufel gefesselt ist.  
Für die Malerei in Sachsen sind folgende Manuscripte von be- 
sonderer Wichtigkeit. Ein Evangeliarium in dem Schatze der 
Kirche zu Quedlinburg, vielleicht ein Geschenk Kaiser Heinrich I. 
In der Weise dieser Miniaturen kann man sich ungefähr die Ma- 
lereien denken, welche dieser Kaiser in seinem Palaste zu Merse- 
burg von seinem Siege über die Ungarn hatte malen lassen. Ein 
Evangeliarium in der kaiserlichen Bibliothek zu Paris (Supplement 
latin N0. 667), wohl gewiss für den Kaiser Otto II. (reg. 974 bis 
983) geschrieben, von namhaftem Kunstwerth in der oben angege- 
benen Kunstform, doch mit besonders starkem byzantinischen Ein- 
fluss. Ein für denselben Kaiser geschriebenes Evangeliarinin, vor- 
dem im Kloster zu Echter-nach, jetzt in der herzoglichen Bibliothek
        

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