Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1259630
Epoche von 1530 bis 1600. 
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hohen Stufe, sie leisten auch, durch die ruhigen Stellungen den 
ursprünglichen Stylgesetzen der Glasmalerei bis auf einen gewissen 
Grad Genüge. Die Bildnissüguren fürstlicher Herrn, als Karl V., 
Ferdinand I., u. s. w., in der Gudulakirche zu Brüssel, aus der 
ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, machen ebenfalls, uneraghtet 
der Einfassung im reichsten Geschmack der Renaissance, einen immer 
noch den früheren Glasmalereien verwandten Eindruck. In den 
vielen berühmten" Glasmalereien der Kirche zu Gouda in Holland, 
so wie in dem grossen der Krönung Maria in der Kirche St. Paul 
in Lüttich, aus der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts, herrscht dage- 
gen der manierirte Geschmack der Nachahmung der Italiener, eines 
Frans Floris, eines Martcn Heemskerk. In Rücksicht der Farben- 
pracht und in Ausbildung der Technik stehen sie indess noch auf 
der vollen Höhe dieser Kunst. Die Glasmalereien des Abraham 
van Diepenbeck, eines Schülers von Rubens, in einer Kapelle der 
Gudulakirche zu Brüssel, stehen vollends mit dem dieser Kunst- 
gattung ursprünglich eignen Richtung im vollsten Widerspruch und 
findet sich hier auch in der Gluth und Harmonie der Farben schon 
eine grosse Abnahme. 
In Deutschland zeigen die Glasfenster aus dem Ende des 15. 
und dem Anfang des 16. Jahrhunderts, in der Lorenzkirche zu 
Nürnberg, namentlich das Volkamerische, die Formen der frän- 
kischen Schule, und eine hohe Ausbildung in den schönen Farben 
und der Ausführung. Die fünf grossen Glasgemälde im nördlichen 
Seitenschiif des Doms zu Köln, von den Jahren 1508 und 1509, 
enthalten zwar im Einzelnen viel Verdienstliches, sind aber im Ge- 
sammteindruck sehr unbefriedigend. 
Ein eigenthümlicher Zweig der Glasmalerei, welcher sich, mit 
immer abnehmender Güte, noch bis in das 18. Jahrhundert erhält, 
blühte in der Schweiz, und findet namentlich in den Wappen ein 
reiches Feld. Sowohl für diese, als für historische Bilder von klei- 
nem Umfang, haben häufig Holbein, Manuel, genannt Deutsch, 
Urs Graf, die beiden Stimmer, die Cartons geliefert, und in Tiefe 
der Farben, wie in der Ausführung ist darin öfter höchst Vorzüg- 
liches geleistet worden. Beispiele hievon trifft man, ausser in der 
Schweiz, in vielen öffentlichen und Privat-Sammlungen von ganz 
Europa an.
        

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