Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1259620
332 
Buch. 
Kapitel. 
darin oft an sich sehr Schätzbares leisteten, so konnten sie es 
doch, aus verschiedenen, sehr nahe liegenden Gründen, den Leistun- 
gen der Oelmalerei bei weitem nicht gleich thun. Denn, ungeachtet 
jener Fortschritte, blieb ihre Technik immer, im Vergleich zu jener, 
sehr schwierig und unbeholfen, und trat nun das, die grössere Com- 
positionen durchschneidende Maasswerk der gothischen Fenster 
höchst störend ein. Die Glasmalerei nahm solcherweise, als eine 
selbständige Kunst, immer nur eine sehr untergeordnete Stellung 
ein, verlor darüber aber gänzlich ihre ursprüngliche Bedeutung als 
eine wunderschöne, architektonische Decoration. Während die frü- 
heren Glasmalercien durch die symmetrische Anordnung der Me- 
daillons mit den kleinen Bildern, durch die ruhige Haltung der ein- 
zelnen Gestalten, durch eine, denselben Gesetzen folgende, Verthei- 
lung der Farben, durch das Festhalten des Gefühls der Fläche, indem 
alleperspectivischen Hintergründe vermieden wurden, den umgebenden 
architektonischen Formen durchaus entsprachen, und dieselben, nur 
in Farben, fortsetzten, machen jene späteren in der Entfernung, be- 
sonders durch die brennenden Farben der, lediglich von der male- 
rischen Composition abhängigen, Gewänder eine durchaus zufällige, 
fleckige und undeutliche Wirkung, wofür in der Nähe jene verhält- 
nissmässig grössere Ausführung keineswegs einen gehörigen Ersatz 
gewährt. Auch das Anbringen einer der gothischen ganz fremden 
Architektur, wie die der Renaissance, in gothischen Gebäuden stört 
ungemein die Harmonie des Eindrucks. 
Obwohl nun in den Glasmalereien der verschiedenen Länder 
vom 15., bis zu dem Ausgehen dieser Kunst im 17. und 18. Jahr- 
hundert, welche ich hier gleich kürzlich mit in Betracht ziehe, das- 
selbe malerische Prinzip herrscht, sind sie doch unter sich, indem 
sie den jedesmaligen Kunstformen der Zeit und des Orts entspre- 
chen, wieder von grosser Verschiedenheit." 
In Belgien wird schon im 15. Jahrhundert eine ganz besondere 
Art der Glasmalerei, grau in grau, wobei in den Lichtern das 
Glas nur leicht gedeckt wird, zu hoher Vollendung ausgebildet, Die 
schönsten, in Farben ausgeführten, Grlasgemälde in Belgien aus die- 
ser Epoche sind die mit dem Jahr 1525 bezeichneten in dem Chor 
der Kirche St. Jacques zu Lüttich, welche in der Mitte die Kreuzi- 
gung, zu den Seiten Engel, Heilige und die Stifter, darstellen. Sie 
stehen nicht allein als Kunstwerke durch die Schönheit der Köpfe, 
die Reinheit der Zeichnung, und die grosse Ausführung auf einer
        

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