Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1259542
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Buch. 
Kapitel. 
kein einziges von ihm nachzuweisen. Die sehr seltnen, von ihm 
vorhandenen Bildnisse rechtfertigen indess jenes günstige Zeugniss 
des Vasari durchaus. Sie zeigen wirklich eine grosse Verwandt- 
schaft zu Tizian. Sie sind minder energisch, aber sehr fein im 
Naturgefühl, worin sie dem Giovanni Batista Moroni nahe stehen, 1 
sie sind trefflich gezeichnet, und im Fleisch in einem klaren, warmen, 
etwas röthlichen Ton sehr fleissig kolorirt. Ein sehr schönes Bild- 
niss eines Mannes vom Jahr 1540, welches früher bald dem Paris 
Bordone, bald dem Tintorett, beigemessen wurde, besitzt der Louvre, 
N0. 95, der italienischen Schule, ein anderes das Museum zu 
Berlin, N0. 190. 
Auch in Deutschland blieben indess manche Meister in ihrer 
früheren Zeit noch der Weise der vorigen Epoche treu, und gingen 
erst später in manchen Stücken zur italienischen über. Die vor- 
nehmlichsten dieser Art sind folgende. 
Bartolomäus de Bruyn, welcher von 1520-1560 in Köln 
arbeitete. Die Bilder seiner jüngeren Jahre beweisen augenschein- 
lich, dass es ein Schüler des Meisters vom Tode Maria gewesen 
ist. So ganz besonders eine Anbetung der Hirten im Museum zu 
Köln, auf dessen Flügeln der Stifter Arnold von Bruweiler und 
dessen Frau mit ihren Schutzheiligen Georg und Barbara. In 
seinem Hauptwerk aus dieser Zeit, den Flügeln des grossen Altar- 
schreins auf dem Hochaltar der Stiftskirche in Xanten vom Jahr 
1534, deren innere Seiten Vorgänge aus den Legenden der Heiligen 
Victor, Sylvester und Helena, die äusseren die Figuren dieser 
Heiligen, Maria mit dem Kinde, Gereon und Constantin, enthalten, 
sind Köpfe und Gestalten edel, die Formen völlig, die Ausführung 
sehr tüchtig und sorgsam, der Ton ungemein kräftig und warm, 
und Bildnisse aus derselben Zeit, wie die der Bürgermeister J. van 
Ryht vom Jahr 1525 im Museum zu Berlin (No. 588) und Bro- 
willer vom Jahr 1535 im Museum zu Köln, schliessen sich noch 
so eng der Holbeinischen Auffassung an, dass sie häufig mit dessen 
Namen begabt werden. Auch die Abnahme vom Kreuz mit Flügeln 
in der Pinakothek (N0. 112, 113, 114), ist ein gutes Werk dieser 
Zeit. Obwohl etwas später eine Abnahme in der Genauigkeit der 
Durchführung, wie des Tons wahrnehmbar ist, bleibt er doch 
derselben Auffassung getreu. Hiefür gewährt eine Maria mit dem 
1 Ein in Wien dem Johann von Calcar beigemessenes Bild ist nach meiner 
Ueberzeugung sicher ein Werk des G. B. Moroni. 
        

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