Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1259166
288 
III. 
Kapitel. 
zeichnet sich sowohl durch die Composition , als durch den lebhaf- 
ten Ausdruck der Affecte, und die wärmere Färbung des Fleisches 
vor den übrigen sehr vortheilhaft aus. Der Goldgrund macht durch 
braune, darauf lasirte, Schatten den Eindruck eines Gehäuses. 1 
Dem ersten dieser beiden Meister schliesst sich offenbar Johann 
von Melem von Köln an, nur ist er in Zeichnung, Ausführung und 
Färbung schwächer, wie einige Bilder, Heilige mit Stiftern, in der 
Pinakothek beweisen (N0. 74, 75, 77, '78, 81, 87, Oabinette)? 
Unter den durchweg unbekannten, westphälischen Malern die- 
ser Zeit zeichnet sich einer vor allen aus. Er schliesst sich in sei- 
ner ganzen Kunstweise, ebenfalls den Niederländern sehr nahe an, 
hat indess eine etwas strengere und alterthümlichere Form, als der 
erstgenannte jener Meister von Köln. Er ist von einer entschieden 
realistischen Richtung, und vermöge derselben in allen Theilen von 
grosser Wahrheit, leider aber fehlt es ihm so sehr an Schönheits- 
sinn, dass die Köpfe seiner Frauen wenig ansprechen, die der Kin- 
der aber von auffallender, und noch dazu sehr einförmiger, Häss- 
lichkeit sind. Auch in der Zeichnung zeigt er wenig Fertigkeit, 
und seine Umrisse haben etwas Scharfes. Dagegen hat er etwas 
Kindlichnaives in der Composition, wie im Gefühl, eine ausseror- 
deutliche Kraft in der Färbung, und eine sehr ins Einzelne gehende, 
höchst gediegene Ausführung. Namentlich gehören seine landschaft- 
lichen Hintergründe, mit mancherlei anziehenden Episoden, zu dem 
Besten, was diese Zeit in Deutschland von solcher Art hervorge- 
bracht hat. Eins der von ihm mir bekannten Hauptbilder, eine, 
mit 1512 bezeichnete, Geburt Christi befindet sich unter dem irri- 
gen Namen des A. Dürer im Museum zu Ncap el (N0. 342 des 
Catalogs von 1842). Unter den Ruinen eines Gebäudes, womit. 
nach der mittelalterlichen Auffassung ein antiker Tempel gemeint 
ist, wird das am Boden liegende Kind von Maria und Joseph ver- 
ehrt, während eine grosse Zahl von Engeln unter der Begleitung 
von verschiedenen Instrumenten das "Gloria in excelsis" singen. 
Zu den Seiten die Stifter, zwei Männer und zwei Frauen, mit ihren 
Schutzheiligen. In der reichen, hüglichten Landschaft des Hinter- 
grundes sieht man eine Stadt an einem See. Die Ausführung bis 
1 S. Kunstwerke und Künstler in Paris S. 552 f.  3 Ich übergehe- absichtlich 
Hans von Calcar, der sonst an dieser Stelle zu nennen wäre, da er früh nach 
Italien gegangen, sich völlig in der italienischen Kunstweise ausgebildet, und auch. 
dort gestorben ist.
        

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