Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1259129
"282 
III. 
Buch. 
Kapitel. 
ders ist von Belgien aus der Einüuss des Quintin Massys wahrzu- 
nehmen. Bei einer entschieden realistischen Richtung erheben sie 
sich in den Köpfen meist nicht über das Gewöhnliche und zeigen 
wenig Sinn für Schönheit, sind aber oft tief und ergreifend im Aus- 
druck. In der Färbung kommen sie den Niederländern sehr nahe, 
auch in der meisterlichen Ausbildung der Einzelheiten, namentlich 
der häufig sehr ausführlichen, landschaftlichen Hintergründe. In 
der Behandlung unterscheiden sie sich von denselben durch eine 
gewisse Trockenheit und grössere Härte der Umrisse. 
Köln bildet wieder den Mittelpunkt der malerischen Bestre- 
bungen. Mit besonderer Vorliebe werden daselbst Vorgänge aus 
der Passion, welche schmerzliche Gefühle erregen, namentlich die 
Abnahme vom Kreuz, zunächst aber die Anbetung der heiligen dre 
Könige, dargestellt. 
Vor allen zeichnet sich hier ein kölnischer Meister aus, welcher 
in dem ersten Drittel des 16. Jahrhunderts geblüht, und, nach der 
Uebereinstimmung mancher Köpfe, in Auffassung und Farbe, mit 
denen, des, oben erwähnten, Meisters der Familie Christi, ursprüng- 
lich ein Schüler desselben, nachmals offenbar in der Färbung, wie 
in der Ausbildung der landschaftlichen Hintergründe, sich nach 
Quintin Massys gebildet, später aber auch Italien besucht hat, ohne 
indess, durch den dort empfangenen Einüuss, in den wesentlichsten 
(Stücken sein deutsches Kunstnaturell aufzugeben. In seinen, be- 
sonders in der späteren Zeit, mit "Einsicht eomponirten Bildern 
herrscht ein echtes und warmes religiöses Gefühl. In deniKöpfen 
seiner Frauen verräth sich i'iel Sinn für Schönheit und geistige 
Reinheit, seine männlichen Köpfe sind dagegen zwar durchgängig 
sehr wahr, aber meist von, unschöner Bildung, besonders haben die 
älteren Männer seiner früheren Werke häufig zu weiche, mehr alten 
Frauen angemessene Formen. Nackte Körper sind öfter von einer 
gewissen Magerkeit. Sonst ist er ein ziemlich guter Zeichner. Seine 
früheren Bilder sind von einer ungemeinen Klarheit und Wärme 
der Färbung, welche im Fleisch blühend röthlich ist. In seinen 
späteren , einen Einfluss italienischer Kunst verrathenden Werken, 
wird dieser schöne Lokalton dem Bestreben nach grösserer Model- 
lirung geopfert, zugleich tritt aber in den meisten Köpfen eine edlere 
Bildung, überhaupt ein reinerer Geschmack ein. In der niederlän- 
-dischen Ausführlichkeit der Landschaft bleibt er sich zwar stets 
gleich, indess stellt sich in den späteren Bildern darin ein schwe-
        

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