Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1256335
Altchristlich-byznntinische Ep 
10118. 
Nüstern. 1 Dieses Manuscript ist, wie ein lateiuisches Gedicht 
darin besagt, von einem Gottschalk geschrieben worden. Höchst 
wahrscheinlich ist dieser, wie so oft in den Zeiten der Klosterkunst, 
auch der Maler. Jedenfalls steht es fest, dass, mit seltenen Aus- 
nahmen, bis gegen den Ausgang des zwölften Jahrhunderts die 
Malerei nur von Mönchen ausgeübt wurde, wie denn die sämmt- 
liche geistige Bildung bis um diese Zeit in dem Besitz der Klöster 
und der Geistlichkeit war. Ungleich reicher ist ein zweites Evan- 
geliarium an derselben Stelle (Supplement latin N0. 686), welches 
aus der Kirche des heil. Medardus von Soisson stammt. Die Bilder, 
welche ausser den Vorstellungen des Vorigen, noch die christliche 
Kirche als ein Gebäude enthält, verrathen einen ungleich geschick- 
teren Künstler. Zwei der Evangelisten sind besonders lebhaft be- 
wegt. 2 Noch vorzüglicher aber ist der Künster, welcher die vier, 
durchweg jugendlich aufgefassten Evangelisten in dem dritten Ma- 
nuscript, einem Evangelistarium der Stadtbibliothek zu Trier aus- 
geführt hat. Die Motive haben hier durchgängig etwas Grossartiges, 
Edles und Freies und drücken sehr wohl die Begeisterung durch 
den heiligen Geist aus. Bei dem Matthäus sind selbst die Gesichts- 
züge edel zu nennen. Auf einer ungleich höheren Stufe der Aus- 
bildung als diese Darstellungen menschlicher Figuren, befinden sich 
indess die Ornamente der Ränder, der Canones und Initialen. Es 
lassen sich darin vornehmlich zwei Elemente deutlich unterscheiden, 
nämlich ein antikes, welches öfter, z. B. in dem a la Grecque, 
in den Acroterien, Genien, Thieren in grosser Reichheit erscheint, 
und ein irisches, worin sich in den künstlichsten, mit seltenster 
Meisterschaft und Genauigkeit ausgeführten Verschlingungen ein 
eben so origineller, als schöner Geschmack in der Eintheilung und 
Ausfüllung des Raums, in allerlei Drachen und Schlangenwesen 
das, für das ganze Mittelalter so charakteristische, phantastische 
Element zuerst ausspricht. Diese, in den irischen Klöstern vom 
6. Jahrhundert ab ausgebildete Kunstweise, war durch die zahl- 
reichen, von Irland ausgehenden Apostel in verschiedene Länder 
des Oontinents verbreitet worden. So in Frankreich und Schwaben 
durch den heiligen Columban, in der Schweiz durch dessen Schüler 
den heiligen Gallus (Stifter des Klosters St. Gallen), in Franken 
durch den heiligen Kilian, in Belgien durch den heiligen Lievin, 
rüber in meinen Kunstwerken und Künstlern in Paris. 
S. 234.  2 Näheres darüber in dem angeführten Werke. S. 237.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.