Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1259107
280 
III. 
Buch. 
Kapitel. 
auch im Portrait ein tüchtiger Meister. Hiervon geben sein, in der 
Auffassung feines, in der Modellirung noch etwas flaches Bildniss 
eines Grafen von Oettingen in der Pinakothek, N0. 156, vom Jahr 
1508, und seine, ungleich lebendigeren und in der Farbe kräfti- 
geren Bildnisse in der Bessefschen Kapelle und in der Sacristei des 
Münsters zu Ulm Zeugniss. 
 Eine ganz eigenthümliche Stellung nimmt endlich der etwa um 
1470 zu Gmünd geborene und 1552 zu Strassburg gestorbene Hans 
Baldung, genannt Grien, in der schwäbischen Schule ein. Kein 
anderer Meister derselben zeigt, sowohl in der Auffassung, als in 
der Art der Zeichnung und Behandlung, einen so grossen Einfluss 
des Albrecht Dürer. Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass er sich 
eine Zeitlang in Nürnberg in dessen Schule befunden hat. Er steht 
besonders in Rücksicht des Gefühls für Schönheit, für Harmonie der 
Farben und für Haltung den anderen Meistern der schwäbischen 
Schule nach. In seinen Köpfen wiederholt er zu häufig eine, in 
den einzelnen Theilen zu ausgeladene und rundliche, wenig anspre- 
chende Form. Bei weitem sein Hauptwerk ist der grosse, mit 1516 
bezeichnete Ilauptaltar im Freiburger Münsterf Das Mittelbild 
stellt die Krönung Mariäi durch Gottvater und Christus und schwe- 
bende Engel, welche musioiren dar. Das lichte Wolkenmeer, wel- 
ches sie trägt, löst sich, bei näherer Betrachtung, in lauter Köpfen 
von Cherubim auf. Die Innenseiten der Flügel enthalten die zwölf 
Apostel in Verehrung, tüchtige Charakterköpfe. Die Aussenseiten 
der Flügel und zwei feststehende Seitenbilder sind durch die Ver- 
kündigung, die, wie es scheint, von anderer Hand, die Heimsuchung, 
die Geburt und die Flucht nach Aegypten,' geziert. Bei der Heim- 
suchung ist der liebliche Ausdruck der Jungfrau, und das stille, 
milde Antlitz der Elisabeth von grossern Reiz. Bei der Geburt 
geht das Lieht vom Kinde aus. Ausserdem wird die Gruppe von 
hellem Mondschein beleuchtet. Auch hier ist der Ausdruck der 
Maria und der fünf Engel von grosser Zartheit. Vor allem aber 
ist, sowohl wegen der schönen und eigenthümlichen Composition, 
als wegen der gelungenen Ausführung, die Flucht nach Aegypten 
hervorzuheben. Ein Engel, welcher sich von einer Dattelpalme, 
worauf vier andere herumklettern, auf das Maulthier herahgeschwun- 
1 S. über das Leben di 
ster zu Freiburg, z. Auflagu 
heft S. 75. 
eiäters und dieses Werk, Schreiber, das Mün- 
dus Münster zu Stmssburg, 2. Auflage, Text- 
ases Me 
, und
        

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