Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1259099
Epoche von 1500 bis 1550 
279 
stellt, Nc. 66, den Eindruck einer Parodie, indem die Figuren in 
stattlicher, oberdeutscher Tracht erscheinen. Das andere, sorgfäl- 
tiger behandelt, stellt die heilige Anna mit Maria, dem Kinde und 
Heiligen in Wolken dar, welche von einer Anzahl Andächtiger ver- 
ehrt werden, N0. 67. Beide Bilder zeichnen sich durch die reichen 
Landschaften aus. Wie glücklich er auch gelegentlich reichere Com- 
positionen aus dem gemeinen Leben behandelte, zeigt eine grosse, 
in Oel auf Leinwand gemalte Bauernhochzeit im Besitz der Familie 
Manne] in Bern. Ebenda lernt man ihn auch in seinem eignen 
Bildniss auf der Stadtbibliothek als tüchtigen Portraitmaler kennen. 
Den lebhaften Antheil, welchen er an der Reformation in seinem 
Vatorlande nahm, bezeugte er auch gelegentlich durch seine Kunst. 
So besitzt Dr. Grrüneisen in Stuttgart eine die Auferstehung 
Christi darstellende Zeichnung, worauf anstatt der Kriegsknechte, 
sich Priester und Mönche mit ihren Buhlerinnen am Grabe befinden, 
irvelche beim Anblick Christi auseinander stieben. 
Auch der in Ulm blühende Zweig der schwäbischen Schule, 
brachte in dieser Epoche noch einen sehr ausgezeichneten Künstler 
hervor, nämlich den Martin Schaffner, welcher etwa von 1499 
bis 1335 thätig war. 1 Auch er gehört der realistischen Richtung 
an, und geht in seiner früheren Zeit nicht über eine wahre, etwas 
gewöhnliche portraitartige Bildung seiner Figuren heraus. Von 
dieser Art ist eine Anbetung der heiligen drei Könige in der Moritz- 
kapelle zu Nürnberg, N0. 52. Schon ziemlich früh zeigt er viel 
Sinn für die Darstellung von Jungfrauen in fröhlicher Unschuld. 
Ein Beispiel dieser Art gewähren fünf jugendliche Heilige mit einer 
alten im Museum zu Berlin, N0. 1234 a. Später bildete er seinen 
Sinn für Schönheit und die feine und edle Darstellung geistiger 
Affekte, wahrscheinlich in Folge des Anblicke der Werke des Bor- 
gognone in Mailand und Pavia, noch ungleich mehr aus. Die 
schönsten Zeugnisse hiefiir bieten vier Bilder vom Jahr 1524 aus 
der Praelatur von Wetterhausen in der Pinakothek zu München, 
N0. 7, 18, 25, 36. In allen diesen Bildern herrscht im Fleisch 
mehr oder minder ein heller, kühler Ton von grosser Feinheit vor, 
und gehört auch meist die Gesammtstimmlmg der kühlen Tonleiter 
an. In der ganzen Zusammenstellung der Farben gewahrt man 
einen entschiedenen Einfluss des Hans Burgkmair. Schaffner war 
Vergl. 
Grüneiseu und Manch, 
Ulms Kunstleben S. 
53 E.
        

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