Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1259084
278 
III. 
Buch. 
6. Kapitel. 
Gegenstande in der Annenkirche zu Augsburg vom Jahr 1560 
noch mehr ausspriehtß In der Schweiz zeigen die tüchtigen Bild- 
HiSSß deß Hans Asper den Einfiuss Holbeius. Beispiele hiervon 
gewähren die Portraite Zwinglis und seiner Frau in der Bibliothek 
zu Z ürich, welche ich indess nicht gesehen habe. 
Ein anderer Schweizer Maler, Nicolaus Manuel, genannt 
Deutsch, aus Bern, geboren 1484, gestorben 1530, nimmt da- 
gegen eine ungleich unabhängigere Stellung ein. 2 Obwohl ein dem 
Holbein verwandtes, auf das Realistische gerichtetes Talent, ist er 
doch in der Geistesart wesentlich von ihm verschieden. Auch er 
behandelte an der Kirchhofsmauer des Dominikanerklosters zu Bern 
in'46 grossen Frescobildern den Todtentanz mit vielem Humor. 
Doch hat dieser nicht die furchtbar bittere Ironie des Holbeinischen, 
sondern ist von mehr gutmiithiger undleichter Natur. S0 strei- 
chelt der Tod dem Abt das fette Kinn, mit dem Kriegsmann mar- 
chirt er, das Kind lockt er mit den lustigen Weisen seiner Pfeife. 
Alle, bis auf den sich widersetzenden Narrn, lassen sich daher 
dieses Gebahren des Todes ruhig gefallen. Leider ist dieses Werk 
nur noch in Kopien vorhanden. 3 Da Manuel nicht bloss Maler, 
sondern auch Dichter, Krieger, Staatsmann und Reformator war, 
ist er in der Kunst nicht entfernt zu derDurehbildung von Holbein 
gelangt, dem er auch an Schönheitssinn weit nachsteht. Seine 
Bilder sind von sehr ungleic-hem YVerth. In seinen reichen und 
öfter schönen landschaftlichen Hintergründen möchte man einen 
Einfluss des Tizian erkennen, bei dem er sich um das Jahr 1511 
in Venedig eine Zeitlang aufhielt. Im Museum zu Basel kann 
_man ihn vollständig kennen lernen. Die Enthauptung des Johannes, 
N0. 70, ist in der Auffassung, wie die Salome mit WViderwillen das 
blutige Haupt von dem halbabgewendeten Henker empfängt, fein, 
in der Ausführung, in einer treifliehen Färbung, sehr sorgfältig. 
Letzteres gilt auch von David und Bathseba, N0. 68, von 1517, 
welches einfarbig mit Lichtern in Weiss gemalt ist. Eine ebenso 
behandelte Lucretia von demselben Jahr, N0. 69, zeigt dagegen 
sehr plumpe und ungeschlachte Formen. Von zwei anderen, in 
Leimfarben auf Leinwand gemalten, Bildern macht das eine, welches 
zwei Vorgänge aus der Geschichte von Pyramus und Thisbe dar- 
1 S. Kunstwerke und Künstler in Deutschland Th. II. S. 62 und 
Dr. C. Grüneisen, Nicolaus Manuel. Stuttgart 1837. S. 156-194.  
sind zu Bern bei R. Haag und Comp. Lithographien erschienen. 
61 
 2 S. 
Hienach
        

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