Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1259073
Epoche von 1500 bis 1550. 
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bedeutend. Unter den einzelnen Holzschnitten, welche auf eine 
Erfindung von Holbein schliessen lassen, nenne ich nur das Bildniss 
des Erasmus mit dem Terminus und zwei D0lchschciden_ 
Schliesslich erwähne ich noch, dass Holbein eine grosse Anzahl 
von Zeichnungen für Hausgeräth, Kamine, Wanduhren, besonders 
aber für Waifen- und Goldschmiede gemacht hat, welche, sowohl 
in den Formen einer sehr ausgebildeten Renaissance, als in den 
daran angebrachten Figuren, eine Fülle geistreieher Erfindungen 
enthalten. Höchst vorzügliche Beispiele dieser Art befinden sich in 
der Kupferstichsammlung des britischen Museums und in der dor- 
tigen Bibliothek. 1 
Dieser grosse Künstler starb in London im Jahr 1554 an der 
Pest. Nach dem zuverlässigsten unter seinen Bildnissen, der, in 
rother und schwarzer Kreide gemachten, Zeichnung im Museum zu 
Basel, N0. 16, welche ihn noch in jüngeren Jahren darstellt, war 
er ein Mann von wohlgebildeten und regelmässigen Zügen, worin 
sich ein klarer, lebensfroher Charakter und eine ruhige Entschie- 
denheit ausspricht. 2 
Obwohl Holbein," dadurch, dass er seine Vaterstadt Augsburg 
schon früh verliess, und auch in Basel nur zehn Jahre verweilte, 
keine eigentliche Schule gründen konnte, so haben sich doch einige 
Maler offenbar nach ihm gebildet. So in Augsburg Christoph 
Amberger, geboren zu Nürnberg 1490, gestorben 1563. Als 
Bildnissmaler nimmt er eine vorzügliche Stellung ein. Wenn er 
dem Holbein an Energie der Auffassung, an Feinheit der Zeichnung 
nachsteht, so ist er ihm dagegen bisweilen in der Klarheit und 
Wärme der Färbung fast überlegen. Beispiele dieser Art sind das 
Bildniss des berühmten Geographen Sebastian Münster im Museum 
zu Berlin, N0. 583, und das Kaiser Karl V. in der Gallerie zu 
Siena. Als Historienmaler ist er minder bedeutend, wenn gleich 
ein Altarbild von 1554, Maria mit dem Kinde von Heiligen um- 
geben, an der Wand der Chorsacristei des Domes zu Augsburg, 
mit Geschick componirt, gut gezeichnet und in den Köpfen von 
feiner und edler Bildung ist, Das religiöse Gefühl in denselben ist 
Wahr, aber schwächlich, die Färbung klar. Er bezeichnet als 
Hiätürierlmaler den Uebergang von der altdeutschen zur moderneren 
Kunstweise, welche letztere sich in dem Altarbilde von ähnlichem 
1 Näheres darüber Treasures Th. I. S. 203, 236. Th. IV. S. 37 f.  9 Ein 
treuer Kupferstich danach befindet sich an der Spitze des Buches von Hegncr.
        

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