Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1259043
274 
III. 
Kapitel 
neuen Weise gewährt das in Lebensgrösse, in ganzer Figur, sicher 
im Jahr 1539 ausgeführtel Bildniss" von Christine, Wittwe des Her- 
zogs von Mailand, um deren Hand der König nach dem Tode der 
Jans Seymour anhalten liess, in Arundeleastle, dem Sitz des Her- 
zogs von Norfolk. 2 Die Hände sind von besonders feiner Zeich- 
nung. In noch höherem Maasse tritt aber dieser zartröthliehe Ton 
in dem schönen, sicher im Jahr 1540 ausgeführten, Bilde der Anna 
von Oleve, vierten Gemahlin des Königs im Louvre, No. 211, her- 
vor. 3 Vortreffliche Bildnisse in dieser Weise sind ausserdem die, 
König Edward VI. als Kind in Sionhousef in der Sammlung des 
Lord Yarborough in Londonf und in dem Schlosse Herren- 
hausen in der Nähe von Hannover , desselben Herrn, als Knaben 
in Burleighhouse, 6 so wie die, König Heinrich VIII. in Petworth, 7 
und in Serlby, letzteres mit dem Jahr 1543 bezeichnetß endlich 
das Bildniss einer jungen Frau, in dunkler Kleidung, mit einer gold- 
verzierten Haube und einem goldnen Brustschmuck, in halber Le- 
bensgrösse, in der Gallerie zu Wien. Ungefähr im Jahr 1546 trat 
noch einmal und zuletzt eine Veränderung in der Art des Colori- 
rens seiner Bildnisse ein, insofern er, auch hier mit Beibehaltung 
der grauen Schatten, dem Fleische einen hellgelblichen Lokalton 
gab. Bildnisse dieser Art sind das Heinrich VIII. in WVindsorcastle, 
so wie das seines Sohns Edward VI., ebendaßl In diese Zeit fällt 
auch das grosse Bild in Bridewell Hospital mit Edward als König. 
Der üble Zustand und die hohe Stelle dieses Werks, des umfang- 
reichsten aus der spätesten Zeit Holbeins, lassen indess ein näheres 
Urtheil nicht mehr zu. 10 
Auch als Miniaturmaler, worin er nach van Mander, 11 seinen 
Lehrer Luccs, den er am Hofe Heinrich VIII. fand, in kurzer Zeit 
weit übertraf, war Holbein von seltcnster Vortreiflichkeit. Ich be- 
gnüge mich hier nur die Bildnisse Heinrich VIII. und der Anna 
von Cleve zu nennen, welche sich in der Sammlung des Colonel 
Meyrick in England befinden. Letzteres nennt Walpole, das aller- 
vollkommenste von allen Werken Holbeins. 
1 Dieseg erhellt aus einer gleichzeitigen Notiz vom 30. Dezember dieses Jahrs, 
dass Holbein für eine Reise nach Hochburgund von dem Könige 10 Pfund Sterling 
erhalten habe. NValpole Anecdotes Th. I. S. 161.  9 S. Treasures Th. III. S. 29. 
 3 S. Kunstwerke und Künstler in Paris S. 552. Dieses Bild ist von Hollan- 
gestochen.  4 S. Treasures Th. V. S. 269.  ß Ebenda Th. IV. S. 67.  
ß Ebenda Th. III. S. 407.  V Ebenda III. S. 41.  H Ebenda Th, 1v_ S, 511  
9 Ebenda ThJII. S. 31 f.  10 Für verschiedene sonstige Portraite von Holbein 
muss ich auf die Notizen in meinen Treasures verweisen.  11 Im angef. Sverk, 
Blatt 143 b.
        

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