Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1259008
270 
III. 
Buch. 
Kapitel. 
sondern durch das Maass der (larin aufgewandten Kunst bestimmen 
lassen, ein Gegenstand grosser Bewunderung, denn die reizlose und 
verdriessliche Frau mit gerötheten Augen. das unschöne Mädchen 
und der verkümmerte Knabe sind gewiss nicht anziehend. Die 
Auffassung ist aber von einer so einfachen, anspruchlosen Wahr- 
heit, die Wiedergabe der völligen Formen so meisterhaft, die Fär- 
bung, mit etwas grauen Schatten, so hell und klar, die Behandlung 
so frei und leicht, dass man sich ihnen zu Lieb jene Unschönheit 
der Dargestellten gern gefallen lässt, ja selbst das sehr Zufällige 
und Kunstlose der Anordnung in den Kauf nimmt. Der einseitige 
Realismus befindet sich hier auf seiner vollen Kunsthöhe. In dieser 
Zeit dürfte er auch das Bildniss des Erasmus ebenda N0. 28, aus- 
geführt haben. In einem Briefe desselben an Thomas Morus vom 
5. September 1529, bezeugt er seine grosse Freude über eine, ihm 
von Holbein mitgebrachte Darstellung desselben mit seiner ganzen 
Familieß Diese ist wohl ohne Zweifel der, jetzt im Museum zu 
Basel sehr geistreich mit der Feder ausgeführte, Entwurf2 zu dem 
berühmten, leider jetzt verschollenen Gemälde, von dem man sich 
indess durch eine alte, in vielen Theilen vortreffliche Copie in No- 
stall Priory, dem Sitze der Familie Wynn, in Yorkshire, noch eine 
sehr gute Vorstellung machen kann. 3 Dasselbe enthält in bequemer 
Anordnung zehn ganze, lebensgrosse Figuren von ausserordentlicher 
Wahrheit und Lebendigkeit der Köpfe, grosser Freiheit der Motive 
und meisterhafter Durchführung aller Theile Da das Alter des 
Sir Thomas auf jener Zeichnung auf 50 Jahr angegeben ist, mag 
er nur diesen Entwurf im Jahr 1529, das Gemälde aber erst nach 
seiner Rückkehr nach England im Jahr 1530, in welchem er jenes 
Alter wirklich erreichte, ausgeführt haben. Aus demselben Jahr 
rührt auch das in dem Helldunkel so ausgebildete, in der Model- 
lirung so feine Bildniss des Dr. Stokesby, Bischofs von London, in 
Windsorcastle, her. 4 Nach der ganzen Kunstform möchte er das 
meisterhafte Bildniss König Heinrich VIII. zu Warwickcastle eben- 
falls etwa um dieselbe Zeit gemalt haben. Das Jahr 1532 bildet 
den Uebergang zu einer neuen Wandelung in Holbeins Kunst. Das 
mit diesem Jahr bezeichnete Bildniss des Kaufmanns Stallhof in 
Windsorcastle verbindet mit zunehmender Feinheit der Zeichnung 
1 S. Hegner a. a. 
land Th. II. S. 284.  
S. 481. 
Orte S. 235.   
 1 S. Trensures 
9 S. Kunstwerke und Künstler in Ileutsch- 
Th. III. S. 333 E.  4 S. ebenda Th. II.
        

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