Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1258970
poche von 
1500 bis 
1550. 
267 
Diese merkwürdige Erscheinung erklärt sich dadurch am Natür- 
lichsten, dass Holbein, vwrahrscheinlich im September, bei einem län- 
geren Aufenthalt in Antwerpen, die, jenen Bildern auffallend ver- 
wandte lllalweise des Quintyn Massys kennen gelernt hatte. Jener, 
schon oben angeführte, Brief des Erasmus an seinen Freund Aegy- 
dius in Antwerpen ist nämlich vom 29. August datirt, und es heisst 
darin, dass, wenn Holbein den Quintyn ltlassys zu besuchen wünsche, 
und es ihm an Zeit fehlen sollte, ihn zu ihm zu führen, er ihm 
durch seinen lihamulus dessen Haus zeigen lassen könne. Wer aber 
möchte zweifeln, dass ein, sich jedes neue Bildungselement so be- 
gierig aneignender, Künstler, wie Holbein, diese Gelegenheit nicht 
benutzt haben sollte? Einen längeren Aufenthalt in Antwerpen be- 
weist schon das höchst lebendige und meisterlich ausgeführte, eben- 
falls in Longfordcastle befindliche, Bildniss des Aegydius, wel- 
ches, nach seiner ganzen Kunstform, nothwrexidig während dieses 
ersten Besuchs von Antwerpen gemalt sein mussß Sehr wahr- 
scheinlich hat er nun jene beiden kleinen Bilder, als höchst gelun- 
gene Versuche in dieser neuen Manier, seinem Gönner Amerbach, 
aus dessen Sammlung sie stammen, nach Basel geschickt. 2 Tho- 
mas Morus nahm den Künstler in seinem Hause, welches er sich 
in der Nähe von London an der Themse gebaut hatte, freundlich 
auf und behielt ihn längere Zeit bei sich, ohne ihn mit seinem 
Herrn, Heinrich VIIL, bekannt zu machen. 3 Verschiedene Gründe 
hiezu liegen sehr nahe. Er wünschte, wie billig, vor allem für sich 
und die Seinen von dem grossen Talent des Künstlers Vortheil zu 
ziehen, zunächst aber ihn erst mit der Sitte und der Sprache des 
Landes bekannt zu machen, bevor er ihn in die grosse Welt ein- 
führte. Sicher malte er aber schon im ersten Jahre seines Aufent- 
halts auch andere, wahrscheinlich mit dem Kanzler enger befreun- 
dete Personen. Hierzu gehört nach der ganzen, sich seinen letzten 
Arbeiten in Basel eng anschliessenden Kunstweise das Bildniss der 
Sir Bryan Tuke Miles, Schatzlneistcrs des Königs, wovon es zwei 
verschiedene, aber gleich tretfliche Exemplare giebt. Das eine, 
welches ich im Jahr 1835, in England in der Sammlung Methuen 
in Corshamhouse sahß ist bezeichnet: Brianus Tuke Miles. 
1 S. Treasures Th. IV. a. a. Orte.  2 Die Sammlung Ämerbaeh ist der 
wichtigste Bestnndtheil des Museums von Beisel.  3 Indess nicht drei Jahre, Wie 
vnu Mander a. a. Orte berichtet.  4 Da, später mehrere Bilder dieser Sammlung- 
verkauft worden sind, weiss ich nicht, ob sich dasselbe noch dort befindet.
        

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